Wachstumsaussichten deutlich nach unten korrigiert

Die lahmende Weltkonjunktur und die Auswirkungen auf die armen Länder stehen im Mittelpunkt der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, die am Donnerstag in Washington beginnt. Der IWF veröffentlicht zum Auftakt seine halbjährliche Konjunkturprognose. Wie daraus vereinzelt bereits bekannt wurde, werden die Wachstumsaussichten nach dem noch rosigen IWF-Ausblick im Herbst deutlich nach unten korrigiert.
Nach den heftigen Protesten von mehr als 20.000 Freihandelsgegnern bei Amerikagipfel im kanadischen Quebec vergangenes Wochenende rechnet die Polizei - anders als im vergangenen Jahr - nicht mit größeren Demonstrationen.
Am Rande der Tagung kommen am Samstag die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer (G-7), sowie die Vertreter der Entwicklungsländer (G-24) zusammen. Zu den G-7 gehören die USA, Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada.
Europäer und Amerikaner geben sich gegenseitig die Schuld
Unter Europäern und Amerikanern wuchsen im Vorfeld die Spannungen mit gegenseitigen Schuldzuweisungen über den Grund der Konjunkturerlahmung. Die USA drängen auf eine Zinssenkung er Europäischen Zentralbank. Die Europäer meinen, die US-Notenbank habe auf die Überhitzung der US-Konjunktur in den vergangenen Jahren viel zu spät mit einer strafferen Geldpolitik reagiert.
Bei den G-7 geht es vor allem um Impulse für einen raschen Aufschwung der Weltwirtschaft. Die US-Notenbank hat mit ihrer überraschenden Zinssenkung erst vergangene Woche ein Zeichen gesetzt. Notenbank-Chef Alan Greenspan will damit eine drohende Rezession in den USA abwenden.
Auch IWF berät über Weltkonjunktur
Über die Weltkonjunktur berät am Sonntag auch das politische Lenkungsorgan des IWF, der Währungs- und Finanzausschuss. Dort will US-Finanzminister Paul O'Neill eine stärkere Krisenprävention anmahnen. Die reichen Länder wollten ihr Geld nicht immer wieder für Feuerwehreinsätze verschleudern, warnte er vergangene Woche. Zur Sprache kommen auch die Entschuldungsinitiative (HIPC) und Forderungen, die Weltmärkte für arme Länder zu öffnen.
Schließlich geht es am Montag noch um die Leistungen von IWF und Weltbank für die Länder mit mittlerem Einkommen, zu denen etwa China, Russland, Indien und Argentinien zählen. Die USA wollen die Zinsen für Weltbankkredite für diese Länder erhöhen, dürften damit aber keine Mehrheit finden.

