Dienstag, 24. April 2001

Experten erwarten keine schnelle EZB-Zinssenkung

Der Euro ist am Montagabend von schlechter als erwarteten Konjunkturdaten aus der Euro-Zone belastet worden. Neben dem überraschend starken Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindexes leide die Währung zudem unter dem unerwartet hohen Anstieg der Verbraucherpreise in Italien, sagten Händler.

Nachdem der Euro zum US-Handelsauftakt noch über 90 US-Cents gelegen hatte, beendete er am Abend den New Yorker Handel unter dieser Marke. Der Yen gewann unterdessen weiter an Boden. Händlern zufolge profitierte die Währung vom Sieg des reformwilligen Junchiro Koizumi bei der Abstimmung der Regionalverbände über den künftigen Chef der Liberaldemokratischen Partei (LDP).

Zu Handelsschluss in New York wurde der Euro mit 0,8980/84 Dollar deutlich unter dem am Nachmittag fest gestellten EZB-Referenzkurs von 0,9002 Dollar und dem New Yorker Vortagesschluss von 0,9020/24 Dollar notiert. Zur japanischen Währung lag der Euro bei 109,14/22 Yen. Die US-Valuta kostete zuletzt 121,21/31 Yen nach 122,42/52 Yen am Vorabend in New York.

Reaktion auf verschlechterte Lage der Weltkonjunktur
Wie das Ifo-Institut am Montag mitteilte, sank der Geschäftsklimaindex Westdeutschland im März mit 93,9 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Juli 1999. Im Vormonat hatte der Index noch bei 94,9 Punkten gelegen. Analysten zufolge spiegeln die Ifo-Daten die Reaktion der deutschen Wirtschaft auf die verschlechterte Lage der Weltkonjunktur wider. Dies habe den Euro belastet.

Dennoch ist nach Einschätzung der Experten von der Europäischen Zentralbank (EZB) nun keine schnelle Zinssenkung zu erwarten. "Eine Reihe von EZB-Ratsmitgliedern würde gerne die Zinsen senken, aber die Inflation liegt über dem erwünschten Niveau", sagte ein Händler. Einer Umfrage von Reuters zufolge hatten zuletzt 37 von 44 befragten Analysten angegeben, keine Zinssenkung in dieser Woche zu erwarten.

Druck auf die EZB erhöht sich
Das Vertrauen in die europäische Währung wurde Händlern zufolge zudem von unerwartet stark gestiegenen Verbraucherpreisen in Italien geschwächt. Statt der von Analysten erwarteten 2,9 Prozent zum Vorjahresmonat teilte das italienische Statistikamt Istat für März eine Jahresteuerung von 3,1 Prozent mit. Damit erhöhe sich der Druck auf die EZB, der Inflationsbekämpfung Priorität einzuräumen, sagte ein Händler. Der französische Finanzminister Laurent Fabius sagte indes in London am Rande des Jahrestreffens der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die Inflation sei nicht das Hauptrisiko in der Euro-Zone. Er bezeichnete das Wachstum in Europa verglichen mit dem in den USA als solide. Allerdings dürfe man in Europa die Augen vor der Verlangsamung der eigenen Konjunktur nicht verschließen.

24.4.2001 08:32