Montag, 23. April 2001

Trotz bekanntem Trend liegen keine Strategien vor

Arbeitskräfte werden knapp: Bei einem mittelfristigen Wachstum von 2,5 Prozent pro Jahr braucht Österreichs Wirtschaft bis 2005 rund 165.000 zusätzliche Arbeitskräfte. In einem optimistischeren Wachstumsszenario würde der zusätzliche Bedarf sogar 200.000 Beschäftigte betragen.

Der Konjunkturexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Ewald Walterskirchen, zitierte aus der heute präsentierten Wifo-Studie "Knappheit an Arbeitskräften" in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Bis 35.000 ausländische Arbeiter braucht das Land
Um die Arbeitskräfteknappheit auszugleichen, müssten rund 60.000 Arbeitslose wieder in Beschäftigung gebracht werden. Die Erhöhung der Beschäftigungsquote Älterer könnte 40.000 Arbeitskräfte bringen. Die Verringerung der "stillen Reserve" von Frauen würde 30.000 Arbeitskräfte bringen. Die verbleibende Lücke von 35.000 Arbeitsplätzen müsste durch ausländische Arbeitskräfte gefüllt werden. Allerdings, so Walterskirchen, werde eine Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften bestehen bleiben, da durch diesen Anpassungsprozess vor allem weniger Qualifizierte beschäftigt werden.

Der WKÖ-Generalsekretärstellvertreter Reinhold Mitterlehner fordert von Wirtschaft und Politik ein allgemeines Umdenken. Qualifizierungsmaßnahmen müssten an oberste Stelle stehen. So könnten bereits in die kommenden KV-Verhandlungen im Herbst Anreize zur Weiterbildung eingebaut werden. Grundsätzlich, so Walterskirchen, sei ein kontinuierliches "Upgrading" der aktiven Bevölkerung notwendig, um die erforderlichen Qualifikationen sicherzustellen. Die Weiterbildung müsse gegenüber der Erstausbildung an Bedeutung gewinnen.

Anteil an älteren Arbeitskräften muss steigen
Die Steigerung der Beschäftigungsquote älterer Arbeitskräfte auf das Niveau der frühen siebziger Jahre würde laut Studie ein zusätzliches Potenzial von rund 200.000 Arbeitskräfte bringen. Daher müsse es zu einer weiteren Anhebung des Frühpensionsalters kommen, so Mitterlehner. Die EU habe sich beim Gipfel in Stockholm geeinigt, die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen bis 2010 auf 50 Prozent anzuheben. Dies würde in Österreich das Arbeitskräfteangebot um rund 220.000 oder um sechs Prozent der Erwerbstätigen erhöhen.

Die Auswirkungen des Kindergeldes auf die Frauenbeschäftigung lasse sich, so Walterskirchen, noch nicht abschätzen. Positiv sei die Möglichkeit dazu zu verdienen. Andererseits werden sich sich Frauen von einer Ganztagsbeschäftigung auf einen Teilzeitjob zurückziehen, oder ganz aus dem Berufsleben ausscheiden. Beide Effekte könnten einander aufheben.


Wo die Beschäftigen gebraucht werden
Rund die Hälfte der benötigten zusätzlichen Arbeitskräfte, nämlich 89.700, werden laut Wifo-Studie in den unternehmensnahen Dienstleistungen entstehen. Im Telekombereich werden bis 2003 13.000 zusätzliche Beschäftigte benötigt. Mehr Arbeitskräfte werden auf die Bereiche Tourismus, der Handel und das Gesundheitswesen brauchen. Mit weniger Arbeitskräften wird der produzierende Sektor auskommen. Hier wird der Anteil an den gesamten Erwerbstätigen von 28 Prozent (1999) auf 26 Prozent 2005 sinken. Rückgänge wird es auch in der Landwirtschaft, in den Bereichen Nahrungsmittel, Bekleidung und Bau geben. Der Anteil des öffentlichen Dienstes wird auf Grund der Verwaltungsreform von 14 Prozent (1999) auf 13,25 Prozent (2005) schrumpfen.

23.4.2001 20:18