Mittwoch, 25. April 2001

"Bei Admira kann ich nie Weltklasse sein“

Von Andreas Herzog bis Franz Hasil -
was sie über Johann K. denken

Im NEWS-Interview spricht der "Goleador" Hans Krankl über seine Wandlung, die harte Realität in der Südstadt und Millionen.

news: Herr Krankl, sind Sie gerne Admira-Trainer?
Krankl: Nach drei Tagen, nach dem 0:4 gegen den GAK, habe ich mir gedacht, da habe ich wieder einen Fehler gemacht, das ist ein Himmelfahrtskommando, das ist nicht zu lösen. Mittlerweile sind die Monate vergangen, und mein Team und ich haben einiges bewirkt. Nach relativ kurzer Zeit haben sich die Erfolge eingestellt. Ich wusste, dass ich die Mannschaft umstellen muss. Das, was seit dem Winter passiert ist, stellt alles in den Schatten, was ich selbst geglaubt habe. Ich bin richtig stolz. Was wir trainieren, ist wirklich in die Schädel der Spieler hineingegangen. Dieses Sich-Verteidigen, weil wir im Abstiegskampf sind, jeden Zentimeter Gras fressen, kratzen, beißen – aber im Ballbesitz Fußball spielen. Das ist mir wichtig. Trotz imposanter Leistung und Punktezuwachs stecken wir mitten im direkten Absiegskampf. Wir haben Bregenz neun Punkte abgenommen und sind noch immer gefährdet.

news: Sie werden als Motivator gefeiert. Was machen Sie anders als vorher?
Krankl: Mir ist es gelungen,
die Mannschaft zusammenzuschweißen. Motivieren allein ist zu wenig. Es ist beinharte Arbeit. Das positive Denken, das Anspornen, das Loben, das die Spieler genauso brauchen wie das Kritisieren. Ich gebe den Spielern das Selbstvertrauen. Als Trainer bist du noch mehr dem Wellental unterworfen. Jetzt bin ich halt wieder einmal oben. Aber wenn’s wieder schlecht läuft, kommen sowieso wieder die Obergscheiten. Fans oder Journalisten können einen Trainer nicht beurteilen. Tun es aber ständig.

news: Was unterscheidet den damaligen Rapid-Trainer Krankl vom heutigen Admira-Trainer Krankl?
Krankl: Zwölf Jahre Erfahrung als Trainer. Man wird immer gescheiter, man lernt mit jedem Tag. Sofern man dazu bereit ist. Und das war ich immer. Ich habe mich als Trainer längst weitergebildet. Es ist nicht die Erfahrung in Lebensjahren, sondern die tägliche Arbeit. Immer wieder mit Problemen konfrontiert werden, sie zu lösen. Heute bin ich nicht mehr so narrisch wie damals bei Rapid. Ich nehme Niederlagen nicht mehr persönlich. Das hab ich längst abgelegt. Ich bin immer noch impulsiv, mit großen Emotionen, aber nicht mehr so dumm, diese Emotionen nach außen hin so zu zeigen. Das wird einem gern als Minus angerechnet, und diesen Gefallen mach ich den Leuten nicht mehr. Das war eine Sache von elf, zwölf Jahren.

news: Gibt’s den Sprücheklopfer Krankl nicht mehr?
Krankl: Ich hab oft genug gute Sprüche gemacht. Irgendeiner ist dann immer dabei, der böse ist und der dir, wenn’s danebengeht, das Hackl ins Kreuz haut. Dass damit mehr Leute ins Stadion kommen, vergisst man ganz. Daher hab ich auch da dazugelernt. Heute schiebe ich nur noch Wuchteln, die wirklich gut sind. Und für die bin ich bekannt.

news: Wie gut oder wie schlecht ist Österreichs Fußball?
Krankl: Er ist nicht so schlecht, wie ihn alle machen, wenn wir verlieren. Aber er ist auch nicht so gut, wie man nach dem 1:1 gegen Spanien glauben könnte. Die Österreicher sind gerne selbstzerstörerisch. Wir sind himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wir haben erstklassige Spieler, sind aber als Nationalteam nicht erstklassig. Das ist eine Tatsache. Wir könnten am Sprung zur unteren Erstklassigkeit sein.

news: Woran liegt’s?
Krankl: Ich bin nicht der Teamchef und will ihm auch keine Ratschläge geben. Der Herr Baric ist 68 Jahre, der ist im biblischen Alter, er weiß, was er tut. Aber ich meine, wir sollten besser als jetzt sein.

news: Gibt’s überhaupt noch den Stürmer-Spielertyp, den Sie verkörpert haben?
Krankl: Der Toni Polster war nach mir der letzte österreichweit. International ist so einer, wie ich war, der Batistuta. Vielleicht noch der Crespo. Zufällig sind das zwei Argentinier.

news: Wer ist in der Bundesliga der beste Stürmer?
Krankl: Der beste Torjäger ist der Gilewicz. Der ist ein Pole. Der Rene Wagner ist ein Torjäger – und ein Tscheche. Der Vastic ist für mich kein Torjäger und auch kein Österreicher. Na, wen haben wir da noch? Der Edi Glieder wäre ein Torjäger, wenn er bei Tirol erste Wahl wäre. Er hat die Nase fürs Toreschießen.

news: Hat das viele Geld die Moral der Spieler versaut?
Krankl: Es muss irgendwann einen Riesenkracher machen. Sicher ist das viele Geld nicht gut für die
Moral der Spieler. Aber wenn sie es bezahlt bekommen, nehmen sie es natürlich auch. Die Summen, die für Figo, Rivaldo bezahlt werden, sind unwahrscheinlich. Die 78er-Generation war einfach zu früh auf der Welt. Wenn ich denke, was ich als Spieler heute verdienen könnte. Ich wäre Multimilliardär. Natürlich bedauere ich es, dass ich so gesehen zu früh auf die Welt gekommen bin. Aber daran sind meine Eltern schuld. Ich bin ja ehrlich genug und sage offen, dass ich es bedaure. Natürlich. Dann würde ich nicht hier sitzen, sondern könnte mir jetzt 20 Paradiese aussuchen. Aber ich bin froh, weil ich eine schöne Karriere gehabt hab. Ich hab als kleiner Österreicher in Hollywood gespielt. Ich war beim besten Verein der Welt. Was Schöneres gibt es nicht. Aber wenn einer glaubt, dass ich mit dem Fußball reich geworden bin, dann hat er sich getäuscht. Mein Eigenverschulden war es, dass ich nicht lange genug im Ausland gespielt habe.

Das Interview in voller Länge lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS

25.4.2001 16:01