Barca entlässt Trainer Serra Ferrer

Der FC Barcelona hat die Konsequenzen aus seiner schwersten Krise seit Jahrzehnten gezogen und Trainer Llorenc Serra Ferrer am Montag vorzeitig entlassen. Bis auf weiteres soll Carles Rexach, Assistent des früheren Star-Coaches Johan Cruyff, die Betreuung des krisengeschüttelten Vize-Meisters übernehmen.
Der 48- jährige Serra Ferrer sei für die Clubführung nach der blamablen 1:3- Schlappe der Katalanen am Sonntag beim Tabellenletzten CA Osasuna nicht mehr tragbar gewesen, berichtete der staatliche Rundfunk RNE. Bei der Partie hatte das Starensemble um Rivaldo und Co Auflösungserscheinungen gezeigt. Mit Simao, Ivan de la Pena und Sergi wurden drei Spieler wegen groben Foulspiels des Feldes verwiesen.
Nun soll Rexach, der früher schon als Trainer eingesprungen war, den ruhmreichen Club aus der Krise führen. Ihm wird der Ex-Profi Jose Ramon Alexanko als Co-Trainer zur Seite stehen. In der nächsten Saison soll möglicherweise der Niederländer Ronald Koeman Barca-Trainer werden, meldete der Sender. Serra Ferrer soll auch sein Amt als Technischer Direktor abgeben und den Club ganz verlassen.
Der Hinauswurf des mallorquinischen Trainers war allgemein erwartet worden. Das Sportblatt "As" höhnte am Montag: "Vielleicht wird Serra Ferrer nun Nationaltrainer der Balearen. Sein Vorgänger Louis van Gaal brachte es immerhin zum Bondscoach der Niederlande."
Während der Erzrivale Real Madrid nach seinem 3:2-Erfolg vom Sonntag bei Real Saragossa den spanischen Titel fast sicher hat und sich Hoffnungen auf den Gewinn der Champions League macht, steht Barca nach einer Saison der Pleiten und Blamagen mit dem Rücken zur Wand. Dabei war der Club, der "Stolz der Katalanen", angetreten mit dem Ziel, alle nur möglichen Titel zu holen.
Aber dann schieden die Blauroten in der europäischen Königsklasse bereits in der ersten Runde aus, wurden in der vorigen Woche vom FC Liverpool aus dem UEFA-Cup geworfen und rangieren in der Primera Division 17 Punkte hinter Real auf dem fünften Rang. Selbst die Qualifikation für die Champions League ist fraglich.
Der einstige Nachwuchscoach Serra Ferrer erwies sich bei Barca als hoffnungslos überfordert. Er hatte nach der Ära van Gaals einen Neubeginn starten sollen, aber er setzte auf die falschen Leute. Der Club verpulverte auf dem Transfermarkt 1,2 Mrd. S (86,9 Mill. Euro), darunter die Rekordeinnahme aus dem "Verkauf" von Luis Figo. Von den neuverpflichteten Stars bewährte sich allein Marc Overmars. Der Franzose Emmanuel Petit oder die spanischen Nationalspieler Gerard und Alfonso erwiesen sich als Fehleinkäufe.
Serra Ferrer griff also wieder auf die einst als "FC Holland" geschmähten Niederländer um Frank de Boer oder Michael Reiziger zurück. Das eigentliche Regiment überließ er den Cracks wie Kapitän Guardiola und Rivaldo. Diese glänzten aber nur bei Gelegenheit. Bei der Misere trägt nach Ansicht der Fans auch Gaspart, der im Sommer die Nachfolge des langjährigen Clubchefs Josep Lluis Nunez angetreten hatte, einen gehörigen Teil an Schuld. "Ihm fehlt jegliche Linie. Ein Team von exzellenten Spielern ist zu einer Truppe verkommen, die einer Straßenmannschaft gleicht", fällte "El Periodico" ein vernichtendes Urteil.
