Bisher 20 Hungertote aus Protest gg. Gefängnisreform

An den Folgen des Hungerstreiks gegen die geplante Häftlingsreform in der Türkei ist ein weiterer Mensch gestorben. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 20, wie der türkische Menschenrechtsverband IHD am Samstag mitteilte.
Fatma Hülya Tümgan starb am Morgen im Numune-Krankenhaus in Ankara, wo sie seit 187 Tagen die Nahrungsaufnahme verweigerte, wie ein Anwalt einer Hilfsorganisation für Häftlingsangehörige bestätigte.
Die 32-Jährige war wegen Zugehörigkeit zu einer illegalen linksextremen Partei in Ulucanlar in Haft gewessen. Dem IHD zufolge beteiligen sich landesweit etwa 800 Menschen an dem Streik, 400 von ihnen betreiben das so genannte Todesfasten. Seit dem 21. März hungerten sich 16 Häftlinge und vier Angehörige zu Tode.
Die linksgerichteten Gefangenen und ihre Angehörigen protestieren gegen Regierungspläne, die Häftlinge in kleineren Zellen für maximal drei Insassen unterzubringen. Bisher waren Schlafräume mit bis zu 50 Insassen üblich. Menschenrechtsorganisationen und Häftlinge befürchten durch Isolationshaft zunehmende Gewaltübergriffe von Aufsehern als Folgen der Kleinzellen. Die Regierung begründet die Gefängnisreform damit, dass die bisher üblichen großen Schlafsäle schwer zu kontrollieren seien. Diese Form der Unterbringung habe häufige Gewalttätigkeiten und Geiselnahmen in den Haftanstalten begünstigt.
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