Freitag, 27. April 2001

Kein Beleg für Thesen des US-Historikers Herzstein

Der ehemalige österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim war doch kein Geheimdienstagent. Dies geht aus den am Freitag in Washington veröffentlichten Geheimakten hervor.

Der US-Historiker Robert Herzstein hatte die Veröffentlichung der Akte durchgesetzt, um seine These zu bestätigen, dass Waldheim nach dem Krieg mit dem US-Geheimdienst zusammen gearbeitet habe. Waldheim selbst begrüßte die Offenlegung seiner CIA-Akte und meinte, dadurch hätten sich die Vorwürfe gegen ihn "in Luft aufgelöst".

Waldheims Akte war gemeinsam mit CIA-Dokumente über "Nazi-Schlüsselfiguren" geöffnet worden. Allerdings nicht, weil Waldheim nach Ansicht der CIA auf eine Stufe mit den Nazi-Größen zu stellen ist, sondern auf Antrag des Historikers Herzstein. Der wissenschaftlicher Berater des World Jewish Congress während der Waldheim-Affäre rund um die Kriegsjahre des Ex-Wehrmachtsoffiziers drängte seit Ende der achtziger Jahre auf die Öffnung dieser Akte.

Akten zur freien Einsicht
In den insgesamt 20 CIA-Akten, die ab Freitag in den National Archives, den Bundes-Archiven der Vereinigten Staaten im Bundesstaat Maryland, zur Einsichtnahme aufliegen, findet sich das von der Central Intelligence Agency gesammelte Material zu Adolf Hitler, zum berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele, zum Organisator des Holocaust, Adolf Eichmann, und zum Chef der Gestapo, Heinrich Müller.

Herzstein hatte behauptet, dass die CIA-Unterlagen über Waldheims Tätigkeit im Zweiten Weltkrieg nicht herausgegeben wurden, weil Waldheim für den US-Geheimdienst gearbeitet habe. Deshalb hätten die USA Waldheim vor dessen Kandidatur zum UNO-Generalsekretär 1971 "gedeckt". Die in amerikanischen Medien aufgetauchte These, die Sowjetunion könnte sich für den späteren UNO-Generalsekretär interessiert haben, fand gleichfalls keine Bestätigung.

Waldheim: "Vorwürfe haben sich in Luft aufgelöst"
Altbundespräsident Waldheim erklärte in einer ersten Stellungnahme: "Mit der Veröffentlichung des CIA-Aktes über mich haben die US-Behörden meiner jahrelangen Forderung, der sich auch die österreichische Bundesregierung angeschlossen hatte, endlich entsprochen. Ich begrüße diesen Schritt nachdrücklich. Wie erwartet hat damit auch das letzte unveröffentlichte Archivmaterial bewiesen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe jeder Grundlage entbehren - und sich somit in Luft aufgelöst haben." Ein wichtiger Beitrag zur Wahrheit sei damit gesetzt worden. Es liege nun an der amerikanischen Demokratie, notwendige politische Schlußfolgerungen zu ziehen.

Waldheim war nach seiner Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten im April 1987 vom US-Justizministerium auf die so genannte "Watchlist" der in den USA unerwünschten Personen gesetzt worden. Die Entscheidung kommt einem Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten gleich. Grundlage für die Entscheidung waren Vorwürfe, Waldheim habe während des Zweiten Weltkriegs auf dem Balkan in einer Einheit gedient, die in Kriegsverbrechen verwickelt gewesen sei, und dies verschwiegen.

27.4.2001 21:37