Donnerstag, 26. April 2001

NEWS: Der Heilige Vater schont sich nicht

Ständige Sorge um den Heiligen Vater: Während des Osterfests war Papst Johannes Paul II. dem Zusammenbruch nahe. Obwohl seine Ärzte vor „schlimmen Folgen“ warnen, plant er weitere Reisen. „Ich werde noch eine Ewigkeit Zeit haben, um auszuruhen“, bringt er mit einem seiner Lieblingssätze alle Berater zum Schweigen.

Schon am 4. Mai will der 263. Nachfolger Petri zu seiner historischen Reise nach Griechenland aufbrechen, um im Gespräch mit dem Heiligen Synod der griechisch-orthodoxen Kirche Weichen für eine Annäherung zu stellen. Auch an zwei weiteren Reiseprojekten will er festhalten. Unmittelbar nach seinem 81. Geburtstag am 18. Mai plant er, den Spuren des Apostels Paulus zu folgen: zuerst in Syrien, wo dieser seine Bekehrung erlebte, dann auf Malta, wo der erste Theologe des Urchristentums auf seiner Reise nach Rom beinahe Schiffbruch erlitten hätte.

Sein Leidensweg
- Krank: Parkinson, Herzleiden, künstliches Hüftgelenk, Schussverletzung, Krebs: Nur die Kunst seiner Ärzte hält den Papst auf den Beinen.

- Müde: Die ständige Einnahme schwerer Medikamente hat Nebenwirkungen: vor allem Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.

- Gezeichnet: Trotz schwindender Kraft und ständiger Schmerzen plant der Heilige Vater neue Reisen und – als letzten Akt – eine Reform der Kirche.

Wer ist der Nächste?
Zu den am öftesten genannten Papst-Anwärtern zählt Carlo Maria Martini – einer der großen liberalen Kardinäle. Er ist Erzbischof von Mailand, ist (auch in Österreich, das er kürzlich besucht hat) sehr beliebt, hat aber einen Nachteil: Er ist Jesuit. Noch nie in der Geschichte des Papsttums durfte ein Jesuit auf dem Stuhl Petri Platz nehmen. Zu den Favoriten zählen auch die italienischen Kardinäle Giovanni Battista Re (Präfekt der Bischofskongregation) und Camillo Ruini (Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz). Seit langem macht das Opus dei mobil, um einen der Ihren Papst werden zu lassen. Allen voran steht Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne von der Opus-dei-Prälatur, zumal 59 Kardinäle dieser Gruppe angehören oder mit ihr sympathisieren. Der Bologneser Giacomo Biffi vom Movimento Comunione e Liberazione steht kirchenpolitisch so weit rechts, dass er sicher vom Opus dei Unterstützung fände.

Aus Afrika wiederum hat Francis Arinze die besten Chancen – zumal er den Kontinent mit den meisten Katholiken repräsentiert. Geheimtipp ist der venezianische Patriarch Marco Cé, der mit seinen 76 Jahren aber schon etwas betagt ist. Wiens Erzbischof Christoph Schönborn ist 56 – und damit zu jung für den Papstthron.

Mehr über den Machtkampf im Vatikan lesen Sie im neuen NEWS.

26.4.2001 07:12