Mittwoch, 25. April 2001

Todesstrafe wegen "wirtschaftlicher Plünderung"?

Der philippinische Ex-Präsident Joseph Estrada ist verhaftet worden. Dem Anfang des Jahres durch einen Volksaufstand gestürzten Staatschef werden Korruption und Amtsmissbrauch zur Last gelegt.

Er wurde von Polizisten von seinem Wohnhaus in Manila abgeführt. Hunderte Anhänger hatten versucht, die Festnahme zu verhindern.

Nach Polizeiangaben wurde der 64-Jährige Estrada ins Gefängnis gebracht. Zuvor hatten Hunderte von Anhängern die Festnahme zu verhindern versucht und sich dabei Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Ein Richter am Anti-Korruptionsgericht in Manila hatte einen Haftbefehl gegen Estrada ausgestellt. Ob Estrada gegen Kaution auf freien Fuß kommen kann, hänge von der Beweislage ab. Der Vorwurf der Unterschlagung gilt auf den Philippinen als Kapitalverbrechen. Normalerweise wird für diesen Vorwurf keine Kaution gewährt.

Augenzeugen zufolge warfen die Unterstützer des Ex-Präsidenten in einem Vorort von Manila Flaschen und Steine, als Polizeikräfte zur Festnahme Estradas anrückten. Die Beamten gingen mit Schlagstöcken gegen die Menge vor. Das Gericht ordnete auch die Festnahme acht weiterer Wegbegleiter Estradas' an, unter ihnen sein Sohn Jose Ejercito und sein persönlicher Anwalt Edward Serapio. In der vergangenen Woche war gegen Estrada erstmals ein Haftbefehl ausgestellt worden, nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet rund 9.000 Schilling befand sich der ehemalige Präsident jedoch auf freiem Fuß.

Estrada war am 20. Jänner in einem Volksaufstand gestürzt worden. Er soll während seiner Amtszeit nach Regierungsangaben umgerechnet bis 5,6 Milliarden Schilling illegaler Gelder auf seinen Konten angehäuft haben. Ihm wird vorgeworfen, Bestechungsgeld entgegengenommen, öffentliche Mittel veruntreut und Freunde vor Strafverfolgung beschützt zu haben. Im Falle eines Schuldspruchs wegen "wirtschaftlicher Plünderung" droht ihm die Todesstrafe.

25.4.2001 09:42