Transportstrecke von 3500 Polizisten geschützt

Erstmals seit drei Jahren ist wieder deutscher Atommüll auf dem Weg zur britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Die erste Etappe legte der Transport am Dienstag ohne größere Verzögerungen zurück:
Der im baden-württembergischen Neckarwestheim gestartete Lastwagen mit drei Atommüll-Behältern erreichte den Nachbarort Walheim nach Polizeiangaben in nur 45 Minuten. Dort sollten die Behälter auf dem Gelände eines Dampfkraftwerks auf die Schiene umgeladen und dann auf mögliche anhaftende Strahlenquellen untersucht werden.
Gegen den Transport demonstrierten am Morgen mehr als hundert Atomkraftgegner vor dem Atommeiler in Neckarwestheim. Sie blockierten kurzfristig die Straße, auf der wenig später die Atommüll-Behälter nach Walheim gebracht wurden. Laut Polizei wurden 68 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen.
Transportstrecke von 3.500 Polizisten geschützt
Die Transportstrecke wurde von 3500 Polizisten geschützt. Mit Hubschraubern sicherte die Polizei die Strecke aus der Luft, auch berittene Polizisten waren im Einsatz. Es habe sich um den bisher größten Polizeieinsatz beim Kraftwerk Neckarwestheim gehandelt, sagte Landespolizeipräsident Erwin Hetger. Ohne Berücksichtigung der Personalkosten habe der Einsatz rund 1,5 Millionen Mark (10,5 Mill. Schilling) gekostet. Jedem Teilnehmer der Sitzblockade werden 100 bis 200 Mark (700 bis 1400 Schilling) für das Wegtragen in Rechnung gestellt. Hinzu komme eine Geldstrafe von rund 125 Mark (rund 880 Schilling) wegen Verstoßes gegen das Versammlungsverbot auf der Strecke.
Die Atom-Gegner vom Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim erklärten, sie ließen sich von Drohungen der Polizei nicht abschrecken. "Angesichts der katastrophalen Auswirkungen der Wiederaufarbeitung in Sellafield ist das Mindeste, was wir tun können, uns hier auf die Straße zu setzen", erklärte die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Heidi Lindtstedt. Umweltschützer beurteilen die britische Anlage Sellafield besonders kritisch. Greenpeace wirft den Betreibern vor, strahlende Abfallprodukte direkt ins Meer zu leiten.
Transport wird am Mittwoch fortgesetzt
Fortgesetzt werden sollte der Transport nach Angaben der Kraftwerksbetreiber am Mittwoch. Dann sollen die Behälter des Typs Exzellox aus Neckarwestheim im rheinland-pfälzischen Wörth mit zwei Behältern aus dem hessischen Atomkraftwerk Biblis zusammengekoppelt werden. Wie zuvor bereits bei einem Atommülltransport in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague haben deutsche wie französische Atomkraftgegner Proteste angekündigt.
1. Transport nach GB seit 1998
Der Transport mit 21 verbrauchten Brennelementen ist der erste aus Deutschland nach Sellafield seit 1998. Er wurde genehmigt, obwohl Neckarwestheim vor zwei Wochen erstmals eine atomrechtliche Genehmigung für ein eigenes Zwischenlager erhalten hatte. Der im vergangene Jahr erzielte Konsens zwischen Regierung und Strom-Konzernen zur Beendigung der Atomenergie-Nutzung gibt der Brennstab-Lagerung bei den Kraftwerken Vorrang. Transporte in ausländische Wiederaufbereitungs-Anlagen sind noch für fünf Jahre erlaubt. In der Regel gibt es dafür bereits Verträge.
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