Sonntag, 22. April 2001

Neue Chefs für Zug und Telefon

Der Chef der Berliner Verkehrsbetriebe gilt als Topkandidat für den Chefsessel der ÖBB. Der Schweizer Papiermanager Ernst A. Häberli – von FORMAT vor zwei Wochen exklusiv als Topkandidat geoutet – soll General der Telekom werden.

Am Dienstag vormittag wird ein 52jähriger Schweizer am Airport Leonardo da Vinci in Rom ankommen und sich in die Zentrale der Telecom Italia (TI) chauffieren lassen. Ernst A. Häberli wird zu einem Termin mit TI-Boß Roberto Colannino erwartet. Nach dem brisanten Meeting könnte schon feststehen, daß der Schweizer in Zukunft die Telekom Austria als Generaldirektor leiten wird.

Globalisierung
In den beiden größten Infrastrukturkonzernen des Landes werden also die Weichen gleichzeitig neu gestellt. Ein Schweizer Staatsbürger für die Telekom, ein Deutscher für die ÖBB. Bei den Bundesbahnen ist es mittlerweile zu 99 Prozent fix: Der bisherige General Helmut Draxler wird seinen Job nicht behalten. Der SPÖ-Mann, ein Charakter mit viel Durchsetzungsvermögen, hat Ministerin Monika Forstinger mehrmals öffentlich provoziert. Auch die Aufsichtsräte stieß er vor den Kopf, als er Bedingungen für seinen Verbleib stellte. Vor allem die geplante Teilung der ÖBB lehnt Draxler unnachgiebig ab. FORMAT gegenüber äußerte er: „Ich bin nicht bereit, etwas zu zerschlagen, was ich über acht Jahre aufgebaut habe."

Berliner löst unbequemen Draxler ab
Nach den Kandidatenhearings am vergangenen Freitag ist Rüdiger vorm Walde der klare Favorit für Draxlers Nachfolge. Der Deutsche befehligt in Berlin neun U-Bahn-, 28 Straßenbahn- und 165 Buslinien mit insgesamt 15.000 Mitarbeitern. „Wir waren der größte Sanierungsfall Europas. Heute stehen wir für Power“, sagte er kürzlich über die Berliner Verkehrsbetriebe.

Auch die Telekom hat es eilig
Bei der staatlichen Schwester Telekom Austria zeichnet sich ebenfalls ab, daß jetzt rasch gehandelt wird. Noch in der Vorwoche appellierte Telekom-Chef Heinz Sundt zu Recht, die Führung entweder auszutauschen oder endlich in Ruhe zu lassen. Nach wochenlangem Hickhack läuft nun alles in Richtung Variante eins. ÖIAG und Telecom Italia ziehen erstmals am gleichen Strang. TI-Boß Colannino sagte in einem Zeitungsinterview am Freitag ganz offen: „Der Aufsichtsrat wird einen Generaldirektor ernennen, mit dem wir und die (österreichische) Regierung zufrieden sind.“ Ein Involvierter verrät: „Das ist nur mehr eine Frage des Termins für die nächste Sitzung.“

Unbeschriebenes Blatt Häberli
In Österreich ein völlig unbeschriebenes Blatt, werkte Häberli zu Beginn seiner Karriere für Boston Consulting. 1985 heuerte er beim Nahrungsmittelriesen Kraft Foods an, wo er sich um strategische Planung kümmerte. Von 1990 bis 1995 fungierte er als Präsident von Pet International. Danach wechselte Häberli, der mit seiner österreichischen Ehefrau bis dato in einem noblen Vorort von Chicago lebt, zum Papierkonzern Fort James.

Es "schweizert" in der Telekom
Als Nachfolger von TA-Technikchef Rudolf Fischer ist pikanterweise ein zweiter Schweizer im Gespräch: Räto Held vom Telefonkonzern Swisscom steht angeblich schon Gewehr bei Fuß. Besonders schlüssig scheint es nicht, mitten in der schweren Krise der Telekom den gesamten Vorstand neu zu besetzen. Zwei komplette Managements wurden in gut zwei Jahren bereits verbraucht. Und jetzt soll ein branchenfremder General aus der Papierbranche kommen.

22.4.2001 05:13