Samstag, 21. April 2001

FORMAT: Urlaubsvergnügen wird teurer

Österreichs Urlaubern droht eine herbe Überraschung: Flugpreise sind bis zu 22 Prozent gestiegen, Flugverbindungen werden eingestellt, und der Service an Bord verliert an Umfang. Aber es gibt weiterhin Möglichkeiten, trotzdem günstig ans Ziel zu kommen.

Man fährt wieder Bus. Wien-Barcelona in 26 Stunden. Die Strapazen dieser Reise nehmen die jungen Touristen ausschließlich wegen des Preises auf sich. Nur 800 Schilling kostet der Bus. Ein normaler 1 Stunden-Flug würde sie 3.800 Schilling kosten. Einer der Busreisenden: „Wenn ich den Flug zahlen müßte, bliebe mir für Barcelona gar kein Geld mehr übrig.“

Nach dem massiven Anstieg des Kerosinpreises um 68 Prozent im Vorjahr haben die Airliner ihre Ankündigung, die Flugpreise zu erhöhen, letztlich wahrgemacht. Die finanziell schwer angeschlagene Flugbranche braucht jeden Groschen.

Fluglinien im Gleichschritt teurer
Im Schnitt ist Fliegen gegenwärtig um rund zwölf Prozent teurer als noch im Vorjahr. Ein paar Beispiele: So zahlt man etwa für einen Flug nach Brüssel um 21 Prozent mehr, als im Vorjahr. Kostenpunkt heute: 7.177 Schilling.
Nahezu alle Fluglinien haben sich dem Preiserhöhungsreigen angeschlossen und so vielen österreichischen Familien den Sommerurlaub teurer gemacht als geplant.

Aus für Gratissekt und Salzmandeln
Außer über teurere Tickets müssen sich die Urlauber zu allem Übel auch an Bord der Flieger ärgern. Denn im Lichte steigender Rohstoffpreise und zunehmender Konkurrenz durch Billiganbieter sind die Airlines gezwungen, auch noch die Serviceleistungen zu kürzen. Gratissekt und Salzmandeln, Zeitungen aus aller Welt oder die Wahl zwischen verschiedenen Luxusmenüs spielt es da nicht mehr. Gerd Prechtl, Tourismusexperte des Beratungsunternehmens Bartberg: „Die Airlinemanager haben letztlich bemerkt, daß sich Wodka und Whiskey ohne Ende für sie nicht rechnen.“

Schnäppchen im Internet
Im virtuellen Luftraum sind momentan die besten Schnäppchen zu ergattern. Auf den zahllosen Restplatzbörsen, wie etwa www.bestplatzcenter.at, werden täglich neue Angebote für Schnellentschlossene ins Cyberschaufenster gestellt. Zunehmender Popularität erfreuen sich auch die Auktionshäuser im Internet. So kommt es vor, daß man etwa einen KLM-Flug nach Schanghai um den Preis von 3.000 Schilling im Internetbasar OneTwoSold ersteigern kann.

Streichung von Flügen kostet Businesskunden Geld
Auch Busineßkunden bleiben von der Preispolitik der Airlines nicht verschont. Die Geschäftsreisenden-Vertretung ABTA klagt über Preisanstiege von bis zu 25 Prozent bei Geschäftsflügen. Durch den Zusammenschluß von 15 Airlines – unter Federführung der Lufthansa – zur Star Alliance, in der auch die AUA seit vorigem Jahr vertreten ist, kommt ein weiteres Problem hinzu, das ABTA-Präsident Hans Jürgen Schindler wie folgt beschreibt: „Durch die Kürzung des Direktflugangebots kommt es zu erhöhten Wartezeiten. Was für Busineßkunden Geld bedeutet.“

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21.4.2001 17:23