Nokia erstürmt Handy-Höhen - Ericsson stürzt ab

Der finnische Handy-Konzern Nokia hat seine Position als weltweit dominierender Handy-Anbieter zum Jahresauftakt deutlich ausgebaut. Im Unterschied zu Ericsson, dem Dritten in der Branche, der für das erste Quartal Rekordverluste mitteilen musste.
Dem gegenüber konnte Nokia einen im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent verbesserten Vorsteuergewinn von 1,49 Mrd. Euro (20,5 Mrd. S) melden. Vorstandschef Jorma Ollila erklärte in Helsinki: "Ich bin über unsere Zahlen mehr als erfreut."
Gewinnsteigerung war höher als erwartet
Nokia hat sich mit der von Analysten niedriger erwarteten Gewinnsteigerung und einem Umsatzplus von 22 Prozent auf 8 Mrd. Euro (alle Zahlen ohne Abschreibung auf Firmenkäufe/"Goodwill") klar vom gedrosselten Wachstumstempo der Handybranche abgesetzt. Mitte letzter Woche hatte bereits Motorola in den USA die ersten roten Unternehmenszahlen eines Quartals seit 1985 vermeldet. Ericsson kündigte als Konsequenz der hohen Verluste einen massiven Abbau von 10.000 bis 12.000 Stellen an. Halbiert werden soll außerdem die Zahl von 15.000 als Freiberufler tätigen Ericsson-Beratern.
Die Österreich-Tochter von Ericsson rechnet dagegen bis Jahresende 2001 mit einer Erhöhung des Mitarbeiterstandes um über 100 auf rund 600 Personen. Vor allem die Auswahl zum Lieferanten der beiden Netzbetreibern Mobilkom und One für den Aufbau der UMTS-Infrastruktur habe einen Durchbruch für Ericsson in Österreich bedeutet, sagte Ericsson Austria-Sprecher Gerhard Gindl zur APA.
Marktanteil liegt bei 40 Prozent
Ollila verkündete, Nokia habe nun fast den angestrebten Marktanteil von 40 Prozent aller weltweit verkauften Handys erreicht. Ericsson-Konzernchef Kurt Hellström musste am selben Tag in Stockholm einen Umsatzrückgang bei Mobiltelefonen um 52 Prozent auf 7,2 Mrd. Kronen (798 Mill. Euro/11 Mrd. S) und einen Vorsteuerverlust in dieser Sparte von 5,7 Mrd. Kronen einräumen. Die Marktanteile sanken von 10 auf bis zu 7 Prozent. Nokia dagegen vermeldete einen doppelt so hohen Zuwachs wie die Branche im Durchschnitt.
Auf die Frage, warum der finnische Marktführer auch angesichts der konjunkturellen Abkühlung vor allem in den USA weit besser dastehe als die gesamte Konkurrenz, antwortete Hellström mit säuerlichem Lächeln: "Fragt sie selbst."
Düstere Handy-Zukunft
Der Schwede gab auch für die nahe Zukunft eine überwiegend düstere Prognose ab. Bei Operateuren sinke die Investitionsbereitschaft für neue Systeme immer weiter, und bei Handy-Käufern die Bereitschaft zum Umstieg auf neue Modelle. Ericsson könne deshalb für das Gesamtjahr überhaupt keine "sinnvolle" Prognose abgeben und erwarte im zweiten Quartal ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie zum Jahresbeginn. Zum kräftigen Fall der Ericsson-Aktie (bis knapp vor 15 Uhr über 12 Prozent) dürfte auch beigetragen haben, dass Hellström nichts Konkretes über die angestrebte Handy-Allianz mit Sony in Japan sagen wollte.
Nokia will sich noch weiter steigern
Ganz anders die Tonlage bei den Finnen. Bei einem erwarteten Gesamtverkauf von 450 bis 500 Millionen Handys (aller Anbieter) erwartet Nokia für das zweite Quartal noch mal eine Umsatzsteigerung um 20 Prozent gegenüber bisher anvisierten 25 Prozent. Für den Gesamtverlauf des Jahres 2002 wird aber wieder ein Wachstum von 25 bis 35 Prozent prognostiziert. Auch als Systemanbieter von Infrastruktur für die kommende 3G-Mobilsysteme erwarte man weiter kräftiges Wachstum. Die Nokia-Aktien stiegen am Freitag bis gegen 15 Uhr um rund drei Prozent.
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