Montag, 16. April 2001

Schumacher degradiert die Konkurrenten zu Statisten

  • Briatore: "Dieser neue Ferrari mit Schumacher ist unschlagbar"
  • Schumi steigt trotzdem auf die Euphorie-Bremse

Nach Michael Schumachers Triumphfahrt bei den "Roten Festspielen" in Imola findet sich die Konkurrenz scheinbar schon mit der Statistenrolle ab. "Dieser neue Ferrari mit Schumacher ist unschlagbar", glaubt etwa Renault-Teamchef Flavio Briatore. "Sie haben ein außergewöhnliches Auto und werden sicher den Titel gewinnen", meinte sogar BMW-Sportdirektor Gerhard Berger.

Auch Ron Dennis vom krisengeschüttelten McLaren-Mercedes-Rennstall befand: "Ferrari wird noch einige Zeit dominieren." Und Sportdirektor Ove Andersson vom Neuling Toyota sprach den Formel-1-Fans aus dem Herzen: "Ich wünsche mir, dass die Williams-BMW doch noch aufholen. Sonst wird es langweilig in der Formel 1."

"Liebe Gegner, bitte wacht auf!"
Italiens Zeitungen feierten den Doppelerfolg des vierfachen Weltmeisters und seines treuen brasilianischen Gehilfen Rubens Barrichello im Grand Prix von San Marino überschwänglich. "Schumi und Barrichello machen die Gegner lächerlich", schrieb die "Gazzetta dello Sport" nach dem ersten totalen Triumph der Scuderia beim Heimrennen seit 1982. Der "Corriere della Sera" urteilte: "Die Roten sind ohne Gegner. Schumi ist der Herrscher der Formel 1". "La Repubblica" appellierte an die Rivalen: "Liebe Gegner, bitte wacht auf! Sonst ist es vorbei."

UNESCO-Champion für den Sport
Einen Tag nach seinem 56. Grand-Prix-Sieg wurde Deutschlands Formel-1-Superstar in Paris zum "UNESCO-Champion für den Sport" ernannt. "Es ist sicherlich eine große Ehre, diese Auszeichnung zu bekommen", sagte Schumacher. Der Ferrari-Pilot ist seit 1995 bereits UNESCO-Sonderbeauftragter für Ausbildung und Sport, hat u.a. den Bau einer Schule in Dakar sowie die Errichtung einer Kinderklinik in Sarajewo ermöglicht. "Ich hoffe, für die UNESCO auch weiterhin erfolgreich tätig sein zu können."

Als WM-Leader nach Österreich
Die sportliche Zukunft nach der Galavorstellung in Imola sieht jedenfalls extrem rosig für den Rheinländer aus. In der Fahrerwertung der Formel 1 rangiert der 33-Jährige mit 34 Punkten schon 14 Zähler vor seinem Bruder Ralf im Williams-BMW und gar 17 vor dessen Teamkollegen Juan-Pablo Montoya aus Kolumbien. "Schumi" kommt also unabhängig vom Abschneiden im Spanien-GP am 28. April als WM-Leader zum Österreich-Grand-Prix am 12. Mai in Spielberg.

Schumi II schimpft
"Es ist klar, dass wir den Hintern bewegen müssen", sagte Ralf Schumacher, der in vier WM-Läufen als Einziger neben seinem dominierenden Bruder in dieser Saison einen Grand-Prix-Sieg gefeiert hat. "Die letzten zwei Rennen wollten wir gewinnen, und es ist uns zwei Mal nicht gelungen", schimpfte "Schumi II", der Dritter geworden war. Manager Willi Weber dagegen freute sich: "Für mich ist es egal, wer gewinnt - solange er Schumacher heißt."

BMW-Williams steckt Kopf nicht in den Sand
Den Kopf in den Sand steckt Williams-BMW nicht: "Wir haben unser erklärtes Saisonziel auch in den vergangenen vier Wochen, als wir die WM angeführt haben, nicht aus den Augen verloren. Es lautet WM-Rang zwei. Wir liegen also mehr als gut im Plan", betonte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Mit dem Grand Prix in Barcelona und dem Rennen in der Steiermark kommen nun zwei Strecken, die dem britisch-deutschen Rennstall nicht so liegen: "Das sind richtige Ferrari-Strecken", erklärte Berger.

Schumi warnt
"Wir haben jetzt zwei Rennen auf Nicht-Ferrari-Strecken gewonnen, also wer weiß, vielleicht dreht sich das rum", warnte Schumacher vor allzu großer Euphorie. "Ich trau dem Braten nie. Auf keinen Fall glaube ich an eine Dominanz, die das ganze Jahr anhalten wird. Es wird in meinen Augen noch Probleme geben, die wir meistern müssen", sagte der überlegene WM-Spitzenreiter. Ferrari-Boss Luca di Montezemolo forderte von seiner Mannschaft: "Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben." Auch Teamchef Jean Todt baute vor: "Nicht jedes Wochenende kann so schön sein wie dieses."

Endstand nach 62 Runden a 4,933 km (305,846 km)

1.

Michael Schumacher
GER
Ferrari
1:29:10,789 Std.*
2.

Rubens Barrichello
BRA
Ferrari
+ 17,907 Sek.
3.

Ralf Schumacher
GER
Williams-BMW
+ 19,755 Sek.
4.

Juan Pablo Montoya
COL
Williams-BMW
+ 44,725 Sek.
5.

Jenson Button
GBR
Renault
+ 1:23,395 Min.
6.

David Coulthard
GBR
McLaren-Mercedes
+ 1 Runde
7.

Jacques Villeneuve
CAN
BAR-Honda
+ 1 Runde
8.

Felipe Massa
BRA
Sauber-Petronas
+ 1 Runde
9.

Jarno Trulli
ITA
Renault
+ 1 Runde
10.

Nick Heidfeld
GER
Sauber-Petronas
+ 1 Runde
11.

Mark Webber
AUS
Minardi-Asiatech
+ 2 Runden

* ... Schnitt: 205,773 km/h

Ausgeschieden: Alex Yoong (MAS) Minardi-Asiatech, Allan McNish (GBR) Toyota, Eddie Irvine (GBR) Jaguar-Cosworth, Enrique Bernoldi (BRA) Arrows-Cosworth, Giancarlo Fisichella (ITA) Jordan-Honda, Heinz-Harald Frentzen (GER) Arrows-Cosworth, Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes, Mika Salo (FIN) Toyota, Olivier Panis (FRA) BAR-Honda, Pedro de la Rosa (ESP) Jaguar-Cosworth, Takuma Sato (JPN) Jordan-Honda

Schnellste Runde: Rubens Barrichello (BRA) Ferrari 1:24,170 Min.

16.4.2001 15:25
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts