Fischl fiel als Stellvertreter durch

Der mit Spannung erwartete Parteitag der steirischen Freiheitlichen hat anscheinend für klare Fronten gesorgt: Der amtierende Landeschef Leopold Schöggl erfuhr mit 94,5 Prozent der Stimmen eine deutliche Bestätigung.
Sein schärfster Kritiker, der Fürstenfelder Ex-Abg. Harald Fischl, hingegen wurde von den Delegierten offenbar für die Unruhe in der Partei verantwortlich gemacht und fiel bei der Wahl zum Stellvertreter durch.
45,4 Prozent für Fischl waren zu wenig, um in den Kreis der vier Obmannstellvertreter aufgenommen zu werden. Die anderen Kandidaten hatten um die 80 Prozent Zustimmung erhalten. An seiner Stelle wurde ein Ersatzkandidat nominiert und gewählt. Fischl, der dennoch Mitglied des Vorstands bleibt, zeigte sich mit dem Ergebnis "nicht glücklich". Er werde aber, wenn nötig, weiter eine kritische Stimme sein.
Die seit der Wahlschlappe bei der Landtagswahl im Oktober 2000 immer wieder aufflammenden Zwistigkeiten in der Partei hatten vor dem Parteitag einen neuen Höhepunkt erreicht: Eine anonyme Kampagne via SMS war gegen Obmann Schöggl inszeniert worden, worauf auch Parteichefin Susanne Riess-Passer vor dem Parteitag einging: Sie sprach von einem "katastrophalen Schaden" für die Gesinnungsgemeinschaft und stellte klar, dass in der Partei für "Intriganten und Feiglinge, die andere vernadern", kein Platz sei. Die Delegierten zollten stehend Beifall.
Schon zuvor hatte es mehrere Appelle zur Geschlossenheit gegeben und der Umstand, dass Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider per Video Landesobmann Schöggl ein "gutes Wahlergebnis" wünschte, ließ für viele bereits erkennen, dass der neue alte Obmann Leopold Schöggl heißen werde.
Der steirische Landesobmann selbst war in seinem Referat bemüht, der ihm vorgeworfenen zu großen Nähe zur ÖVP durch deutliche Abgrenzung zur Klasnic-ÖVP zu begegnen. Obwohl der Name Fischl von keinem der Redner explizit erwähnt wurde, hatte die Mehrzahl der knapp 400 Delegierten ihn offenbar als Störenfried ausgemacht: Der Kritiker, der noch beim Sonderparteitag im November des Vorjahres rehabilitiert worden war, fiel einer wahren Streichorgie zum Opfer. Dabei hatte er sich zuvor selbst in moderater Form zu Wort gemeldet und dafür geworben, dass auch für Kritik in der Partei Platz sein müsse.
Ein Schlussstrich wurde unter das Problem der Parteifinanzen gezogen. Obwohl die Rechnungsprüfer von "fahrlässig herbeigeführter Überschuldung" sprachen, wurde der alte Vorstand entlastet. Die Verantwortung am Abgang von 28 Millionen Schilling im Doppel-Wahljahr 2000 und am Schuldenstand von 18 Millionen Schilling wurde mehr oder minder Ex-Obmann Michael Schmid gegeben. Ein Finanzierungs- und Tilgungsplan soll aber eine Entschuldung bis zum Ende der Legislaturperiode sicherstellen.
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