Sonntag, 22. April 2001

Straßenschlachten wegen Freihandelszone

Der Amerika-Gipfel von Quebec ist am Wochenende von gewaltsamen Ausschreitungen überschattet worden. Rund 2.500 Aktivisten lieferten sich am Samstag vor dem abgeriegelten Tagungszentrum Gefechte mit den Sicherheitskräften.

Der Amerika-Gipfel von Quebec ist am Wochenende von gewaltsamen Ausschreitungen überschattet worden. Rund 2.500 Aktivisten lieferten sich nach Angaben der kanadischen Polizei am Samstag vor dem abgeriegelten Tagungszentrum Gefechte mit den Sicherheitskräften. Weitere 30.000 Menschen demonstrierten friedlich gegen die geplante größte Freihandelszone der Welt.

79 Verletzte, größter Polizeieinsatz Kanadas
Vor dem Konferenzgebäude warfen gewaltbereite Aktivisten mit Brandsätzen, Steinen und mit Sand gefüllten Flaschen und versuchten, die Absperrungen um das Tagungsgelände zu durchbrechen. Die Polizei setzte Gummigeschosse, Wasserwerfer und Tränengas ein, wie ein Behördensprecher mitteilte. An den ersten beiden Tagen des dreitägigen Gipfels sind 34 Beamte und 45 Aktivisten verletzt worden und mindestens 150 Personen festgenommen worden. Mit mehr als 6.000 beteiligten Beamten galt der Einsatz als größte Polizeioperation in der kanadischen Geschichte.

Von Kanada bis Chile Freihandelszone
Die weltgrößte Freihandelszone FTAA soll bis 2005 gebildet werden und Nord-, Mittel- und Südamerika sowie die Karibik umfassen. Die FTAA soll sich damit von Kanada bis nach Chile erstrecken, allein das kommunistische Kuba bleibt von ihr ausgeschlossen. Im künftigen FTAA-Gebiet leben 800 Millionen Menschen, rund 15 Prozent der Weltbevölkerung. Im Gebiet der FTAA wurden 1999 rund elf Billionen Dollar (12.237 Mrd. Euro/168.387 Mrd. S) in Gütern und Dienstleistungen und rund 2,7 Billionen Dollar im grenzüberschreitenden Handel erwirtschaftet.

Wider der Globalisierung
Der mexikanische Präsident Vicente Fox rief zu einer Demokratisierung der Märkte auf. Niedrigere Zölle seien zwar gut für die Wirtschaft, oft würden aber viele Menschen davon nicht profitieren. Auch andere Redner warnten vor negativen Folgen der Globalisierung. Einige Gipfelteilnehmer zeigten Verständnis für die Demonstranten. Der brasilianische Präsident Fernando Henrique Cardoso sagte, der Protest sei motiviert von der Angst vor einer Globalisierung ohne menschliches Gesicht.

Die Teilnehmer des Gipfeltreffens diskutierten am Samstag ferner über eine mögliche gemeinsame Kritik an den von Vorwürfen überschatteten Wahlen in Haiti. Der haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide gehörte zu den Teilnehmern in Quebec. Am Sonntag sollte der Gipfel mit einer Schlusserklärung beendet werden. Erwartet wurde auch die Veröffentlichung eines Entwurfs für den Freihandelsvertrag.

22.4.2001 13:51