Kritik an Geheimhaltung der Transportroute

Der "Atom-Zug" mit Brennstäben für den zweiten Reaktorblock des AKW Temelin ist im Areal des AKWs eingetroffen. Die Fahrt sei ohne Zwischenfälle verlaufen, meldete der tschechische Rundfunk.
Der mit Uranbrennstäben für das AKW Temelin beladener Zug hat Polen durchquert. Für den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer (V) ist diese Vorgangsweise eine "Provokation der Sonderklasse", insbesondere für die Grenzbevölkerung.
Das von der US-Firma Westinghouse gelieferte Uran war an Bord des amerikanischen Frachters "Andromeda" im nordwestpolnischen Hafen Stettin (Szczecin) eingetroffen. Die Atombehörde hielt die genaue Streckenführung des Zuges aus Sicherheitsgründen geheim.
Keine Information der Öffentlichkeit
Umweltschützer kritisierten, dass die Öffentlichkeit nicht über den Transport informiert worden war. Selbst der Stadtpräsident von Stettin hatte nach eigenen Angaben erst am Vortag von der uranhaltigen Fracht erfahren. Dieses Vorgehen erinnert an die Zeiten der kommunistischen Volksrepublik, kritisierte der ehemalige Umweltminister Radoslaw Gawlik im polnischen Rundfunk. Umweltgruppen im schlesischen Breslau (Wroclaw) kündigten Proteste gegen künftige Transporte an.
Österreichischer Protest
Der Klubobmann der Grünen im oberösterreichischen Landtag, Rudi Anschober, kritisierte, dass die Betreiber versuchten, "vollendete Tatsachen zu schaffen". Er forderte sofortige politische Ausstiegsverhandlungen.
Es wäre ein "Mindeststandard" der tschechischen Seite, jetzt einmal abzuwarten, sagte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer. Denn diese Vorgangsweise erschüttert die Glaubwürdigkeit der Vereinbarungen zwischen Österreich und Tschechien, der mühsam eingeleitete Vorgang der Umweltverträglichkeits- und Sicherheitsprüfung werde unterlaufen. Momentan befinde man sich in einer "äußerst sensiblen Situation". Pühringer kündigte außerdem an, er werde bei der Bundesregierung verlangen, dass diese Protest einlegt.
Weitere Gefahrentransporte
In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen Berichten zufolge regelmäßig Uranbrennstäbe über Polen nach Temelin gebracht werden. Umweltgruppen befürchten vor allem Gefahren durch den Rücktransport gebrauchter Brennelemente auf der gleichen Strecke.
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