FORMAT: Kostelka-Umzug ist fix

Am Mittwoch ist es soweit: SPÖ-Klubobmann Peter Kostelka muß gehen, der Parteivorstand soll Alfred Gusenbauers Wunschkandidaten Josef Cap zu seinem Nachfolger wählen. Ein Affront, den sich die Nationalratsabgeordneten nicht gefallen lassen wollen.
Folgendes Witzchen erzählen einander Sozialdemokraten östlich der Alpen hinter vorgehaltener Hand: Was ist der Unterschied zwischen einem, der eine Wahl gewonnen hat, und einem, der nur davon träumt? Die Antwort: Der Unterschied ist, daß der eine seinen Klubobmann los wird und der andere auch davon nur träumen kann.
Das beißende Scherzchen hat einen realen Hintergrund: Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der strahlende Sieger der Landtagswahl im März, hat „seinen“ Klubobmann im Rathaus, Johann Hatzl, ohne viel Federlesens und trotz dessen erbitterten Widerstands auf den Posten des Landtagspräsidenten weggelobt. Hatzls Nachfolger ist Häupls Wunschkandidat: der junge Ottakringer Christian Oxonitsch, ein deklarierter Häupling.
Widerstand des Parlamentsklubs
SPÖ-Obmann Alfred Gusenbauer wartet dagegen noch auf einen eigenen Wahlerfolg. Und er wird seinen ungeliebten Klubobmann im Parlament, Peter Kostelka, nicht so leicht los, wie er das gern möchte. Schon im vergangenen Herbst wollte er Kostelka absetzen, damals scheiterte er am Widerstand des Parlamentsklubs. Am Mittwoch soll es nun doch soweit sein: Gusenbauer hat die Parteivorstandsmitglieder der SPÖ nach Wien beordert, um ihnen seine Entscheidung darzulegen.
Kostelka wird Volksanwalt
Nachfolger im Klub soll Gusenbauers langjähriger Weggefährte auf dem Marsch durch die SPÖ-Institutionen, Josef Cap, werden. Die Parteigranden werden dem wohl zustimmen – umso mehr, als Kostelka in internen Gesprächen bereits signalisiert hat, daß er nicht um seinen Posten kämpfen wird.
Parlamentsclub ist Kostelka-treu
Anders verhält es sich mit dem Parlamentsklub. Die SPÖ-Abgeordneten sind bislang nicht gewillt, Josef Cap als Kostelka-Nachfolger zu akzeptieren. Er hat sich, obzwar ein blendender Rhetoriker, bei vielen Mandataren durch seinen zuweilen beißenden Zynismus und mangelnden Arbeitseifer nicht gerade beliebt gemacht. Dazu kommt noch, daß viele Abgeordnete äußerst loyal zum konsensorientierten Kostelka stehen und es schlicht übelnehmen, daß seit Wochen über die mangelnden Volksrednerqualitäten ihres Klubchefs hergezogen wird. Gusenbauer wird SPÖ-intern schlicht mangelnde Professionalität bei der Demontage Kostelkas vorgeworfen. Zudem stößt vielen auf, daß der Neue an der Parteispitze auch nicht anders agiere als seine Vorgänger. Ein Klubmitglied: „Er installiert überall seine Freunderl, egal, ob die etwas können.“
Kalter Krieg
Noch sind Gusenbauers „Freunderl“ im SPÖ-Klub allerdings in der Minderheit. Daher könnte es für den Parteichef haarig werden, wenn er Cap ohne Zustimmung des Klubs inthronisieren will. Die Mandatare rüsten nämlich zum kalten Krieg auf. Sie wollen Europasprecher Caspar Einem überreden, in jedem Fall gegen Cap zu kandidieren; er sei fleißig und äußerst beliebt, wird ins Treffen geführt. Einem, nicht gerade ein enger Freund von Cap und Co, ging in der Vorwoche zwar auf Tauchstation, soll aber nicht abgeneigt sein.
Daß es zum offenen Eklat im Klub kommt, ist dennoch unwahrscheinlich. Noch immer gilt in der SPÖ ein ehernes Prinzip: Parteidisziplin über alles. Wenn Gusenbauer auf Cap besteht, werden die Mandatare ihn wohl schlucken, wie ein SP-Insider sagt: „Auch, wenn ihnen dabei schlecht wird.“
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