George W. Bush polarisiert und spielt den starken Mann

Nach hundert Tagen im Amt hat George W. Bush die schlimmsten Erwartungen übertroffen: Er legt sich mit Russen, Chinesen und Europäern zugleich an, erklärt der Umwelt den Krieg, hievt Erzkonservative in Schlüsselpositionen. Wirkliche Freude haben nur die Humoristen.
George W. Bush – seit 20. Jänner 43. Präsident der USA – ist so gesehen in guter Gesellschaft, sollte seine Amtszeit keine ruhmreichen Spuren in den Geschichtsbüchern hinterlassen. Die Bilanz nach bald hundert Tagen im Amt deutet jedenfalls auf einen Fehlstart des Republikaners hin.
Lachnummer im Weissen Haus
Bush erheitert Amerika und Übersee mit schrulliger Sprachakrobatik, verblüfft durch einen Amtsstil mit kurzen Briefings, viel Fitneß und früher Bettstunde. Er verärgert Bündnispartner rund um den Globus mit unangebrachtem Säbelrasseln, erklärt der Umwelt den Krieg und installiert ein konservativeres Kabinett als "Cowboy"-Rechtsaußen Ronald Reagan. Seit Reagan wurde der mächtigste Politiker der Erde von Humoristen nicht so in die Mangel genommen: „Kein Wunder, daß Vize Dick Cheney im Vorjahr vierzigmal soviel verdient hat wie Bush“, spöttelt etwa Talklegende Jay Leno, „er ist ja auch vierzigmal so intelligent.“
Kampf dem Kakao-Anbau!
Bush-Versprecher wie „Man mißunterschätzt mich“ wurden bereits im Wahlkampf legendär, inzwischen sammelt die Website Slate (slate.msn.com) die neuesten „Bushisms“. Als Bush den kolumbianischen Präsidenten harsch aufforderte, statt dem Kokain- den Kakaoanbau zu bekämpfen, glühten die Chatrooms, begleitet von einem Wettstreit der Theorien: Ist Bush schlicht dämlich, oder leidet er an Dyslexie, einer Sprachschwäche, wie von der Autorin Gail Sheehy behauptet?
Säbelrasseln als Mittel der Aussenpolitik
Umgeben von Veteranen des Kalten Kriegs rund um Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sieht Bush, der in seinem ganzen Leben erst viermal den amerikanischen Kontinent verlassen hat, die Welt in Schwarzweißbildern: Rußland wurde mit der Massenausweisung von fünfzig Diplomaten nach einem Spionageskandal gedemütigt. Europäische Bündnispartner mit dem Ausstieg aus dem zuvor unterzeichneten Kioto-Klimaprotokoll und einem geplanten Abzug von US-Peacekeepern am Balkan völlig vor den Kopf gestoßen.
Krieg gegen die Umwelt
Kampf der Umwelt. Doch zum Polit-Waterloo im Wahlkampf 2004 könnte sein regelrechter Krieg gegen die Umwelt werden. Zuletzt empfingen Greenpeace-Aktivisten Bush vor seiner Ranch in Crawford per Riesentransparent als „Toxic Texan“ („Giftiger Texaner“). Die Ökogruppen prangern die katastrophale Politik des „Handlangers großer Industrie- und Energiemultis“ an: Bush blockierte zunächst eine Richtwertverringerung für Arsen im Trinkwasser, verabschiedete sich von seinem Versprechen zur Reduktion des Treibhausgases CO2 und erlaubte Ölbohrungen in einem einzigartigen Naturschutzreservat in Alaska.
Mehr über George W. Bush lesen sie im aktuellen Format...
Familiendrama in St. Pölten17:56
Vater schießt auf SohnUnfassbarer Vorfall in St. Pöltner Volksschule. Auch Tochter aus Klasse geholt
Georgia Davis12:30
320-Kilo-Frau gerettetWales: Rettungskräfte mussten Wand aufstemmen. Mehr als 40 Leute im Einsatz
Fleischfressende Bakterien10:56
Angst vor Killer-KeimenStudentin in den USA ringt ums Überleben - Expertin klärt auf: Fälle auch in Österreich
