Verhandlungen über Schaffung von Freihandelszone

Überschattet von gewaltsamen Protesten mit mehreren Verletzten ist in Quebec der Amerika-Gipfel eröffnet worden. Polizei und mehr als 1.000 Demonstranten lieferten sich drei Stunden lang gewaltsame Auseinandersetzungen.
Offiziellen Angaben zufolge wurden fünf Beamte verletzt, 25 Globalisierungsgegner wurden festgenommen. Der kanadische Ministerpräsident Jean Chretien verurteilte die gewaltsamen Ausschreitungen in seiner Eröffnungsrede.
"Gewalt und Provokation sind in einer Demokratie unannehmbar", sagte Chretien und fügte hinzu, dass es sich bei den gewaltbereiten Aktivisten um eine kleine Gruppe von Extremisten handele. Die Auseinandersetzungen hatten den Beginn des Gipfels verzögert. Zwei Straßenzüge vom Tagungsort der Staats- und Regierungschefs entfernt rissen die Demonstranten einen Zaun nieder und schleuderten Dosen, Flaschen und Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Protestierenden zurückzudrängen.
Ziel: amerikanische Freihandelszone
Im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens der Staats- und Regierungschefs aus 34 Ländern steht die Schaffung einer amerikanischen Freihandelszone. Aus Furcht vor gewaltsamen Ausschreitungen wurde der Tagungsort mit einem fast vier Kilometer langen und drei Meter hohen Zaun abgeriegelt. Mit mehr als 6.000 beteiligten Beamten gilt der Einsatz in Quebec als größte Polizeioperation in der kanadischen Geschichte.
US-Präsident George W. Bush warb noch einmal für die Freihandelszone für 800 Millionen Verbraucher. Freihandel sei ein Motor für Wohlstand und Freiheit, sagte der US-Präsident. Bush traf sich vor dem offiziellen Beginn des Gipfels mit Chretien und kam auch mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez zusammen. Dieser erinnerte daran, dass die auf dem Amerika-Gipfel von 1994 gesteckten Ziele noch nicht erreicht worden seien.
Fidel Castro begrüßt die Proteste
Der kubanische Staatschef Fidel Castro erklärte unterdessen seine Unterstützung für die Proteste in Quebec. "Im Namen des kubanischen Volkes möchte ich unsere Sympathie und Bewunderung zum Ausdruck bringen", hieß es einer Erklärung Castros. Kuba ist das einzige Land auf dem amerikanischen Kontinent, das nicht an dem Gipfel teilnimmt.
Die angestrebte größte Freihandelszone der Welt (Free Trade Area of the Americas /FTAA) soll alle Länder in der Karibik, Nord-, Süd- und Mittelamerika mit Ausnahme Kubas einschließen. Das Gebiet wird von 800 Millionen Menschen bevölkert, die jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von 11,5 Billionen Dollar produzieren. Die 1994 gegründete Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA), bestehend aus den USA, Kanada und Mexiko, würde in ihr aufgehen. Die Idee wurde auf dem ersten Amerika-Gipfel im Dezember 1994 in Miami im US-Bundesstaat Florida geboren. Die Vorverhandlungen laufen seit Jahren.
Die Kritiker der geplanten Freihandelszone argumentieren, dass dadurch die Ärmsten noch ärmer würden. Sie befürchten außerdem eine weitere Schädigung der Umwelt.
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