Dienstag, 17. April 2001

Streit um Spionageflugzeug geht weiter

Im Streit um das Spionageflugzeug, das die Chinesen den Amerikanern nicht zurückgeben wollen, ist immer noch kein Ende in Sicht. Nun ist eine amerikanische Delegation zu Verhandlungen in der chinesischen Hauptstadt Peking eingetroffen.

Der Chef der US-Delegation, der Abteilungsleiter im US-Verteidigungsministerium Pete Virga, teilte vor Journalisten bei der Ankunft mit, bei den am Mittwoch beginnenden Gesprächen gehe es um einen Informationsaustausch über die Vorgänge in Zusammenhang mit der Flugzeug-Kollision am 1. April. Nach amerikanischer Darstellung war ein chinesischer Abfangjäger nach mehreren "aggressiven Annäherungen" an den US-Aufklärer mit diesem in der Luft zusammengestoßen und abgestürzt. Nach chinesischer Darstellung war der amerikanische Spionageflugzeug an dem Vorfall schuld.

Bisher haben weder die Volksrepublik China noch die USA Bereitschaft zum Einlenken in dem diplomatischen Streit erkennen lassen, bei dem es auch um die zukünftige Praxis der US-Aufklärungsflüge in der Nähe Chinas gehen dürfte. US-Präsident George W. Bush hatte erklärt, die US-Delegation werde in China "harte Fragen" stellen, was den Unglücksverlauf betreffe. Ein Sprecher des Präsidenten erläuterte, es werde bei dem Treffen am Mittwoch auch angesprochen werden, wie zukünftig derartige Zwischenfälle verhindert werden könnten.

Gespräche von "hoher Bedeutung"
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte, das Treffen werde für die Beziehungen zwischen den USA und China von "hoher Bedeutung" sein. Ein produktives Treffen könne die Grundlage schaffen für eine Erweiterung der Beziehungen, während ein polemisches Treffen als Signal dafür verstanden werden könnte, ob die Chinesen die Absicht hätten, die Beziehung weiter zu entwickeln oder auch nicht.

Nach der Kollision war die mit hochmoderner Abhör-Elektronik ausgerüstete amerikanische Turboprop-Maschine zur Notlandung auf der südchinesischen Insel Hainan gezwungen, was China als Verletzung seiner Hoheitsrechte ansieht. Die US-Besatzung wurde von China festgehalten und erst nach elf Tagen wieder frei gelassen. Der chinesische Abfangjäger war nach dem Zusammenstoß abgestürzt. Der Pilot wurde dabei getötet.

17.4.2001 12:21