Montag, 16. April 2001

Unternehmen für US-Klimapolitik verantwortlich

Die Grünen haben auf ihrer Weltkonferenz in Australien zum Boykott der großen Ölkonzerne aufgerufen. Die Unternehmen seien für die Abkehr der USA vom Klimaschutzprotokoll von Kyoto verantwortlich, sagte der australische Abgeordnete Bob Brown am Montag zum Abschluss des dreitägigen Treffens in Canberra.

Die 800 Delegierten aus 70 Ländern beschlossen die Schaffung eines globalen Netzwerks der Grünen, das Aktivitäten von Umweltschützern und grünen Parteien koordinieren soll.

Brown sagte, erstes Ziel des Netzwerks sei eine Kampagne, um die USA dazu zu bringen, wieder über die Umsetzung des Kyoto-Protokolls zu verhandeln. US-Präsident George W. Bush war im vergangenen Monat aus dem Abkommen ausgestiegen, das vorsieht, die Treibhausgas-Emissionen zu verringern. In Hinblick auf den Boykottaufruf sprach Brown von einem international wachsenden Einfluss grüner Parteien. So sei bereits der Boykott von Shell im Streit um die Ölplattform Brent Spar sehr effektiv gewesen. Umweltgruppen hatten 1995 zu einem Boykott von Shell aufgerufen, der Konzern hatte daraufhin auf die geplante Versenkung der Bohrinsel in der Nordsee verzichtet.

Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll tritt erst in Kraft nach Ratifizierung durch 55 Staaten, die zusammen für mindestens 55 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sein müssen. Bisher ist das Abkommen von 34 Staaten ratifiziert worden. Australien kündigte unterdessen an, das Protokoll nicht zu ratifizieren. Umweltminister Robert Hill sagte in den USA, nach dem Ausstieg der USA sei das Protokoll außer Kraft.

Auf die USA entfällt ein Viertel der Emissionen von Treibhausgasen. Australien ist für fast zwei Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich und im Verhältnis zur Bevölkerungszahl der weltweit größte Erzeuger von Treibhausgasen.

16.4.2001 14:55