Mittwoch, 11. April 2001

Euro fiel nach Beschluss auf Wochentief

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen für die Euro-Zone unverändert gelassen. Wie ein EZB-Sprecher nach der Sitzung des Zentralbankrates am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte, bleibt der maßgebliche Zinssatz für Refinanzierungsgeschäfte damit weiter bei 4,75 Prozent.

Mit ihrer Entscheidung hat sich die EZB dem Druck aus Teilen der Wirtschaft und der Politik widersetzt, die auf eine Verringerung der Notenbankzinsen zur Stabilisierung der Konjunktur drängen. Entscheidend für die Fortsetzung einer "Geldpolitik der ruhigen Hand" dürften die immer noch zu hohen Preissteigerungen in Euroland sein. Mit einer durchschnittlichen Teuerung von rund 2,5 Prozent wird die Zielmarke der EZB von zwei Prozent noch deutlich übertroffen.

Einig ist man sich am Finanzplatz Frankfurt, dass die europäischen Währungshüter noch im zweiten Quartal eine Zinssenkung um bis zu 0,50 Punkte beschließen werden.

Euro fiel nach Beschluss auf Wochentief
Der Euro fiel nach dem Beschluss um rund einen halben US-Cent auf ein Wochentief von 0,8850 Dollar.

Österreichs Banken nehmen dennoch Zinssenkung vor
Ungeachtet des heutigen Beschlusses der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro-Leitzins zunächst nicht abzusenken, dreht sich in Österreichs Banken und Sparkassen das Zinskarussell nach unten. Nachdem "die Leitzinssenkung nicht kam, ziehen wir vor", hieß es am Mittwoch aus der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien).

Raiffeisenlandesbank
Nachdem die RLB schon Anfang April die der "Zinsgleitklausel" unterliegenden Privatkredite um drei Achtel Prozentpunkte verbilligt hat, werden in der letzten Aprilwoche die Zinsen für die übrigen Privatkredite zwischen einem Viertel- und einem halben Prozentpunkt zurückgenommen. Um einen Viertelprozentpunkt könnten Kredite an Firmenkunden verbilligt werden. Nachgedacht werde auch über eine Rücknahme von Sparzinsen, die sich im kurzfristigen Bereich um einen Achtel-Punkt bewegen könnte.

Bank Austria
In der Bank Austria (BA) wurde heute ebenfalls "Bewegung" an der Bankzinsfront signalisiert. Anfang nächster Woche könnten in Österreichs größtem Kreditinstitut neue niedrigere Zinsen - aktiv- wie passivseitig - beschlossen werden, sagte eine Sprecherin zur APA. Das Ausmaß wurde noch nicht beziffert. In der BA-Tochter Creditanstalt (CA) wird weiterhin der Markt beobachtet. Ebenso in der Erste Bank. Auch die Erste Bank hat Anfang April aber private Ausleihungskonditionen mit Fixzins um einen Viertel-Prozentpunkt gesenkt.

BAWAG
Bei der Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (BAWAG) waren Kredite schon Anfang voriger Woche großflächiger billiger geworden. Mit Wirkung vom 2. April senkte sie die Zinsen für Wohnkredite um einen halben Prozentpunkt, der Zinssatz für den BZK- bzw. Schalterkredit wurde um einen Achtel-Prozentpunkt zurück genommen.

P.S.K.
Diesen Montag hatte die P.S.K. mehrere Kreditzinskategorien um einen Viertel- bis einen halben Prozentpunkt verbilligt. Der Zinssatz für den PostWohnBauKredit wurde von 6,0 auf 5,5 Prozent, der PostHypoKredit von 5,75 auf 5,25 Prozent verbilligt. Der Zinssatz für den "Kreditkoffer" wurde von 6,50 auf 6,25 Prozent für 3 Jahre fix reduziert.

11.4.2001 14:35