Mittwoch, 11. April 2001

Kritik an milliardenschweren Sanierungskosten

Auf der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung in Berlin hat DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp am Mittwoch seinen Internationalisierungskurs gegen heftige Aktionärskritik verteidigt. Gleichzeitig gab er bekannt, dass der deutsch-amerikanische Autokonzern zusätzlich 3,3 Prozent am japanischen Autobauer Mitsubishi von Volvo erwirbt. Damit baut DaimlerChrysler seine Beteiligung auf 37,3 Prozent aus.

"Dies ist ein wesentlicher Schritt zur Komplettierung unserer Asienstrategie", so Schrempp. Nach dem Rückzug der Schweden ist der Weg für eine direkte Zusammenarbeit mit Mitsubishi auch bei Lkw und Bussen frei. Die Restrukturierung beim angeschlagenen US-Autobauer Chrysler laufe nach Plan, betonte Schrempp. Kleinaktionärsvertreter sprachen wegen der hohen Sanierungskosten von 3,4 Mrd. Euro (46,8 Mrd. S) von einer gelben Karte für Vorstand und Aufsichtsrat.

"Entweder andere Zahlen oder andere Köpfe"
Die Manager hätten nun eine letzte Chance, das Ruder wieder herumzureißen, sagte für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Klaus Kessler. "Entweder andere Zahlen oder andere Köpfe." Einer Entlastung wollten weder DSW noch die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) zustimmen. SdK-Vertreter Lars Labryga kritisierte die milliardenschwere Kapitalvernichtung an der Börse. "Es kann nicht sein, dass der strahlende Daimler-Stern Fässer ohne Boden auf der ganzen Welt subventioniert", sagte Kessler.

2002 soll Gewinnschwelle erreicht werden
2002 sollen sowohl Chrysler als auch Mitsubishi wieder die Gewinnschwelle erreichen. 2003 erwartet Schrempp für Chrysler eine Umsatzrendite von 4 Prozent und einen Operating Profit von über zwei Mrd. Euro (3,9 Mrd DM), für Mitsubishi 2003/04 eine Rendite von 4,5 Prozent. Schrempp betonte, dass die Sanierung auch von der konjunkturellen Entwicklung abhänge. "Dort liegen die wirklichen Unwägbarkeiten für unser Unternehmen", sagte Schrempp. Für 2002 rechnet der Konzernchef aber wieder mit einem deutlichen Aufleben der Konjunktur. Dann soll auch der Konzern mit einem operativen Gewinn von 5,5 bis 6,5 Mrd. Euro wieder deutlich besser als in diesem Jahr abschneiden. Inklusive der Sanierungskosten rechnet der Konzern in diesem Jahr mit einem operativen Verlust von 1,2 bis 1,7 Mrd. Euro.

11.4.2001 13:48