Was passiert mit den TA-Aktien?

Nackte Zahlen, keine Personal-Abgänge: Zumindest vorläufig gibt´s eine Verschnaufpause für den Vorstand - auch wenn Telekom Italien nach wie vor wenig Geschmack an den Managern findet. TA-Vorsitzender Heinz Sundt: "Lasst uns in Ruhe arbeiten..." Die börsenotierte Telekom Austria hat heute die Ergebnisse für das Jahr 2000 vorgelegt.
Das Minus beträgt 3,9 Milliarden Schilling, die Bilanz fällt damit besser aus als von Experten befürchtet. Die Gründe für die im Nachhinein als nicht notwendig erachtete Gewinnwarnung zwei Monate nach dem Börsegang seien jedoch "weiterhin aufrecht", sagte Vorstandsvorsitzender Heinz Sundt. Für 2001 werde zwar eine Trendumkehr vor allem bei den Festnetz-Ergebnissen erwartet. Von einer Rückkehr in die Gewinnzone wollte Sundt aber nicht sprechen.
2001 werde sich das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) aber um 20 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro (16,5 Mrd. S) verbessern, damit wolle man den Finanzmarkterwartungen entsprechen. Die 90.000 Kleinaktionäre der seit November 2000 an der Wiener und New Yorker Börse notierten TA werden allerdings auch für heuer keine Dividende sehen.
Dass der Verlust (Jahresfehlbetrag) im Jahr 2000 "nur" 285,6 Mill. Euro (3,93 Mrd. S) - und nicht wie zuvor von Beobachtern befürchtet 6 bis 7 Mrd. S - betrug, erklärte Sundt neben unerwartet hohen Einnahmen im Mobilfunk- und Datenbereich damit, dass in der Bilanz 2000 nach US-GAAP-Rechnungslegung lediglich rund 250 Mill. Euro an Rückstellungen für die laufende Restrukturierung des Ex-Monopolisten untergebracht werden konnten.
Weitere 110 Mill. Euro würden erst in der Bilanz 2001 wirksam, 10 bis 20 Mill. Euro davon betreffen den geplanten Personalabbau von rund 5.000 der 15.000 TA-Mitarbeiter bis 2005. Allein heuer sollen 3.000 TA-Mitarbeiter im Festnetzbereich abgebaut werden. Im 1. Quartal hätten bereits 1.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, 500 davon mit Hilfe des Sozialplans. Die Kosten für den Personalabbau bezifferte Sundt mit 5 bis 6 Mrd. S, die bis 2003 vollständig abgeschrieben werden sollen.
Marketingvorstand zurückgetreten
Der nach dem Rücktritt von Marketingvorstand Heinz Brasic verbliebene Vorstand sei "hochmotiviert", die gesteckten Ziele zu erreichen, spielte Sundt auf die seit Wochen anhaltenden Spekulationen über Vorstandsveränderungen an: "Es herrscht nicht Resignation, es gibt keine Demissionspläne".
Zum vorzeitigen Bekanntwerden der Bilanzzahlen, die gestern durch Indiskretion bereits an eine Nachrichtenagentur weitergegeben worden waren, sagte Sundt: "Ich bin tief betroffen, dass Informationen dieser Art das Haus verlassen haben". Er erwarte jedoch keine Konsequenzen von Seiten der Bundeswertpapieraufsicht (BWA).
An der TA hält die ÖIAG 47,8 Prozent, die Telecom Italia 29,8 Prozent. 22,4 Prozent befinden sich in Streubesitz.
An der Wiener Börse notierte die TA-Aktie zuletzt mit 6,35 Euro (+1,94%).

