Dienstag, 10. April 2001

SPEZIAL: EURO

In den riesigen Schredderanlagen der Nationalbank wird jetzt die Verarbeitung der Schillingnoten zu Dämmaterial vorbereitet. Gleichzeitig gehen die Vorbereitungen für die Euroumstellung in die letzte Runde: In 260 Tagen heißt es endgültig Abschied nehmen vom Schilling. Kleinere Pannen kündigen sich an...

Kaufleute mit einem Konto bei der Raiffeisenbank runzeln in diesen Tagen die Stirn. Den Anlaß zu den Sorgenfalten liefert ein Brief: Bis spätestens 28. März sollen die Ladenbetreiber nämlich anmelden, wie viele Euromünzen und -banknoten sie für ihre Wechselgeldkasse benötigen. Kleiner Schönheitsfehler: Das höfliche Schreiben langte erst am 2. April ein – sechs Tage nach Ablauf der Frist.

Der Euro rollt an
Bis zum endgültigen Aus des Schilling wird eine gewaltige Produktions-, Werbe- und Transportmaschinerie immer schneller in Gang geraten. Vom internationalen Multi bis zum Gemüseladen am Eck unternimmt die heimische Wirtschaft jetzt Kraftanstrengungen wie anno 1999 zur Bewältigung des Millennium Bug. Auch die Konsumenten werden langsam nervös.

Österreicher brauchen dringend Information
Fakteninformation ist dringend notwendig– weiß Psychologieprofessor Erich Kirchler zu belegen: „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, daß Informationsmangel die Hauptursache für die Euro-Skepsis der Österreicher ist.“ Trotz Informationsveranstaltungen und Tonnen von Broschüren tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf, die die Nervosität anheizen.

Was viele quält, ist etwa der komplizierte Umrechnungskurs von 13,7603 Schilling pro Euro. Die Rechnung, die sich alle Österreicher jetzt einprägen müssen: Hundert Schilling sind 7,27 Euro, ein Zehner sind rund 73 Cent. Eurorechner werden in allen Bankfilialen erhältlich sein. Im September soll außerdem ein blitzblauer Euro-Train auf seine Tournee mit sechzig Stationen geschickt werden.

Schilling wird zu Besteck oder Schienen
Die drei Milliarden in Umlauf befindlichen Schillingmünzen werden in der Oesterreichischen Nationalbank und ihren sieben Zweigstellen in den Bundesländern bis zur Unkenntlichkeit zerstanzt. Danach werden sie per Sattelschlepper in die Schmelzöfen der Stahlwerke transportiert. Dort werden sie zu Rohstoff für Eßbesteck oder Eisenbahnschienen verarbeitet.

In den OeNB-Niederlassungen werden demnächst ebenso mehr als zweihundert Milliarden Schilling in Banknoten – vom Zwanziger bis zum Fünftausender – wie ganz normales Altpapier in den Schredder gestopft und zu Tonnen von Papierstreifchen zerschnipselt und zu Dämmstoffen verarbeitet.

Lasterweise Geldbündel
Österreichs Banken haben bereits ein heikles Problem: Mit dem Transport der rund 8.000 Tonnen an Euroscheinen und -münzen sind Geldtransporteure wie Protectas oder Securitas heillos überfordert. Derzeit wird unter herkömmlichen Spediteuren nach Helfern gesucht, die sonst weniger wertvolle Fracht wie Bauschutt oder Schweinehälften herumkarren.

Druckmaschinen laufen heiss
Ganze fünfhundert Millionen Stück an Eurobanknoten laufen derzeit aus den Maschinen der OeNB-Druckerei , einem von 250 Kameras bewachten Hochsicherheitstrakt. Die dort produzierten Scheine würden aneinander gelegt zweimal rund um den Erdball und gestapelt von Wien bis nach Sankt Pölten reichen. Chefdrucker Wolfgang Färber: „Die Sache läuft wie am Schnürchen. Wir haben sogar teilweise die Produktion für vier weitere EU-Länder übernommen, die leicht überfordert waren.“

Ebenfalls sehr hektisch ist es schon bei der Münze Österreich. Hergestellt werden Ein-, Zwei-, Fünf-, Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Cent-Stücke sowie Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Alle tragen länderspezifische Prägungen. Hierzulande sind es Nationalsymbole wie Enzian, Steffl und Mozart. Eineinhalb Milliarden Stück fallen bis 31. Dezember an, nächstes Jahr werden weitere fünfhundert Millionen Stück produziert.

Den ausführlichen Bericht über die Euro-Umstellung gibt es im aktuellen FORMAT.

10.4.2001 15:08