Donnerstag, 12. April 2001

Bisher schwerstes Sportunglück in Südafrika

Bei einer Massenpanik in einem Fußballstadion im südafrikanischen Johannesburg sind am Mittwochabend mindestens 43 Menschen ums Leben gekommen. Ärzte sagten, es seien insgesamt 58 Menschen in Krankenhäuser eingeliefert worden. Acht Verletzte seien in kritischem Zustand, darunter auch mehrere Kinder.

Zu dem Unglück war es während einer Partie der Spitzen-Vereine "Kaizer Chiefs" und "Orlando Pirates" gekommen, als Fußballfans in dem überfüllten Stadion eines der Innentore vor den Zuschauerrängen durchbrachen.

Die Massenpanik ist das bisher schwerste Sportunglück in Südafrika, das sich vergeblich um den Zuschlag für die 2006 in Deutschland stattfindende Fußballweltmeisterschaft beworben hatte. Das Spiel wurde in der 30. Minute beim Stand von 1:1 abgebrochen. Danach wurden Verletzte und Tote aufs Spielfeld gebracht. Die Fans wurden aufgefordert, ruhig das Stadion zu verlassen. Die Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Die Krankenwagen waren zunächst nicht bis zum Stadion durchgekommen.

Sportarena war überfüllt
Das Stadion in Johannesburg ist für maximal 70.000 Zuschauer ausgelegt. Einigen Berichten zufolge befanden sich jedoch bis zu 120.000 Menschen in der Sportarena. Polizeisprecher Chris Wilken sagte, es seien insgesamt 43 Männer, Frauen und Kinder bei der Massenpanik umgekommen. Die Leichen wurden nach dem Unglück außerhalb des Stadions aufgebahrt.

Die Massenpanik brach aus, als die Orlando Pirates nach rund 30 Spielminuten den Ausgleich schossen. Fans drückten eines der Innentore ein, das mehrere Zuschauer unter sich begrub. Danach drängten die Fans in den Innenbereich des Stadions. Darunter war auch ein 27-jähriger Fußballanhänger, der mit einer Fußverletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde: "Ich wurde von hinten geschubst. Dann lag ich plötzlich am Boden und jemand neben mir biss mir in die Hand", schilderte er das Geschehen im Stadion. Später habe er erfahren, dass die Person, die ihn gebissen hatte, zu Tode getrampelt worden sei.

Menschen starben qualvoll
Ein Sicherheitsbeamter sagte, er habe eine Jugendliche gesehen, deren Hals zwischen zwei Innentoren eingeklemmt gewesen sei. Als die Menschenmenge weiter nach vorn gedrängt habe, sei ihr das Genick gebrochen worden. Er habe ihre Leiche danach aus dem Tor herausgezogen und sie auf den Boden gelegt.

Ärzte und Sanitäter versorgten Verletzte noch auf dem Spielfeld und versuchten die Wiederbelebung von Schwerverletzten mit Herzmassagen. Andere Helfer benutzten die Werbetafeln vom Stadionrand als Ersatz für fehlende Tragen, um Verletzte zu bergen. Die Masse der Zuschauer sah stumm den Ereignissen zu, während mehrere Hubschrauber Verletzte aus dem Stadion ausflogen.

Bei einer Massenpanik während eines Spiels derselben Vereine waren bereits 1991 in der südafrikanischen Stadt Orkney 42 Menschen zu Tode getrampelt worden.

12.4.2001 10:34