Sonntag, 15. April 2001

Protestversammung durch Warnschüsse aufgelöst

Nach der Beisetzungsfeier für den von einem Polizisten in Cincinnati getöteteten Schwarzen ist es zu neuen Spannungen in der Stadt gekommen. Eine Frau und zwei junge Mädchen wurden am Samstag von Polizisten mit weicher Munition beschossen.

Das berichten Augenzeugen. Die Mutter eines Mädchens, das von einem Bohnensack-Geschoss am Bein getroffen wurde, sagte, sie seien als unbeteiligte Passanten unter Beschuss geraten.

Wenige Minuten nach dem Vorfall löste die Polizei mit Warnschüssen eine Menschenansammlung auf, die sich nach der Beerdigung an einer Kreuzung gebildet hatte. In der Stadt gilt nach mehrtägigen Unruhen eine nächtliche Ausgangssperre, die auch in der Nacht zum Ostersonntag in Kraft blieb.

Hunderte Trauergäste hatten am Samstag an der Beerdigung für den vor einer Woche von der Polizei erschossenen Schwarzen teilgenommen. In der Stadt, in der fast jeder zweite Bewohner schwarz ist, hatte sich die Lage vorläufig beruhigt. Rund 200 Festnahmen wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre hätten erneute Krawalle in der Nacht verhindert, teilte die Polizei mit.

Die Unruhen waren ausgebrochen, als Demonstranten gegen den Tod eines unbewaffneten 19-jährigen Schwarzen protestierten, der am Samstag voriger Woche von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Es war der 15 Schwarze, der seit 1995 von der Polizei in der Stadt erschossen worden ist.

15.4.2001 08:23