Freitag, 13. April 2001

Borodin hat Genf Richtung Moskau verlassen

Die Verbindungen des ehemaligen Kreml-Verwaltungschefs funktionieren noch immer sehr gut. Gegen eine Kaution von 45,3 Mill. S durfte er gehen. Gezahlt hat das russische Aussenministerium. Nun sitzt er im Flugzeug nach Moskau.

Borodin verließ Genf am Freitagnachmittag an Bord des Aeroflot-Linienflugs SU272 um 14.45 Uhr. Die russische Regierung hatte am Donnerstag nach einem entsprechenden Beschluss der Genfer Anklagekammer eine Kaution hinterlegt. Die Schweizer Staatsanwaltschaft wirft Borodin Bestechlichkeit und Geldwäsche vor.

Kleine Geheimnisse über Putin
Die russische Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" schrieb heute über die Rückkehr des Angeklagten: "Den Fall Borodin darf man keineswegs zu den Akten legen, auch wenn das Genfer Gericht ihn in drei Monaten freispricht. Zum einen interessiert die Frage, wer Borodin den Tipp gab, ohne Diplomatenpass in die USA zu reisen (wo er auf Schweizer Haftbefehl festgenommen wurde). Zum anderen gibt es immer wieder Berichte, dass Borodin gedroht habe, 'kleine Geheimnisse' über den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verraten, falls die russische Regierung ihn nicht aus den ausländischen Gefängnissen hole."

Grundstücks-Spekulationen und Geldwäsche
Es blieben Fragen zu Borodins Tätigkeit in der Kreml-Verwaltung und zu seinen Grundstücksverkäufen offen. Es wäre angebracht, wenn die russische Generalstaatsanwaltschaft das letzte Wort im Fall Borodin habe, schrieb die Moskauer Zeitung. Der unter Geldwäscheverdacht stehende frühere Kreml-Verwaltungschef ist ein enger Vertrauter von Putins Amtsvorgänger Boris Jelzin.

Schweizer haben genügend Beweise
Gegen Borodin hatte die Genfer Staatsanwaltschaft im Frühling 1999 eine Untersuchung eingeleitet und das Verfahren wegen Geldwäscherei auch nach Abbruch der Ermittlungen in Moskau fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen Schmiergeldzahlungen der Tessiner Baufirma Mabetex des Kosovo-Albaners Behgjet Pacolli und der Firma Mercata für den Auftrag zur Kreml-Renovierung. Der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa glaubt, dass auch ohne Ermittlungen in Russland genügend Beweise gegen Borodin vorliegen.

Schmiergelder schweizer Firmen
Die Vorwürfe der Genfer Justiz gehen auf ein inzwischen in Russland eingestelltes Korruptionsverfahren gegen Borodin und andere hohe Kreml-Mitarbeiter zurück. Im Mittelpunkt stehen Schmiergeldzahlungen der Tessiner Baufirma Mabetex des Kosovo-Albaners Behgjet Pacolli und der Firma Mercata für den Auftrag zur Kreml-Renovierung. Borodin saß bis Freitag in der Haftanstalt Champ-Dollon in Genf.

13.4.2001 16:05