Elf Tote innerhalb von drei Wochen

In der Türkei sind zwei weitere Häftlinge gestorben, die sich am Hungerstreik gegen die Gefängnisreform der türkischen Regierung beteiligt hatten. Damit hungerten sich in den vergangenen drei Wochen landesweit elf Gefangene aus Protest zu Tode.
Die beiden früheren Mitglieder einer bewaffneten linksextremen Untergrundvereinigung waren in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Ankara behandelt worden.
Am Mittwoch und Donnerstag waren je drei Gefangene gestorben, die jegliche Nahrungsaufnahme verweigert hatten. Etwa 300 bis 400 Gefängnisinsassen beteiligen sich derzeit nach IHP-Angaben landesweit an dem so genannten Todesfasten in türkischen Gefängnissen. Etwa 120 befinden sich im Krankenhaus, zehn schwebten in Lebensgefahr. Experten rechnen damit, dass in den kommenden Tagen weitere Häftlinge sterben werden.
Die linksgerichteten Gefangenen protestieren mit ihrer Nahrungsverweigerung gegen den Plan der Regierung, in neu konzipierten Haftanstalten die Zahl der Insassen pro Zelle auf ein bis drei Gefangene zu reduzieren. Bisher waren Schlafräume mit bis zu 50 Häftlingen üblich. Menschenrechtsorganisationen bezeichnen dies als Isolationshaft und befürchten zunehmende Gewaltübergriffe von Aufsehern.
Die türkische Regierung begründet die Gefängnisreform damit, dass die bisher üblichen großen Schlafsäle schwer zu kontrollieren seien. Diese Form der Unterbringung habe häufige Gewalttätigkeiten und Geiselnahmen in den Haftanstalten begünstigt. Justizminister Hikmet Sami Türk hatte am Donnerstag ein Einlenken der Regierung ausgeschlossen und die Häftlinge aufgefordert, ihren Streik zu beenden und ärztlicher Versorgung zuzustimmen.
Die Protestaktionen der Häftlinge gegen die Gefängnisreform hatte im vergangenen Oktober begonnen. Damals traten zunächst 800 Gefangene in den Hungerstreik. Im Dezember stürmten paramilitärische Einheiten der Polizei 20 Gefängnisse, um die Protestaktion zu beenden. Dabei kamen 32 Menschen ums Leben.
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