Freitag, 13. April 2001

Ex-Mitarbeiter warnt vor neuer Katastrophe

Im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl droht nach Informationen von ehemaligen Mitarbeitern eine neue Nuklearkatastrophe.

"Die Hülle um den Katastrophenreaktor kann jeden Tag einstürzen, und dann sind wir wieder da, wo wir 1986 waren", sagte der Atomwissenschaftler und langjährige Direktor des "Sarkophags", Valentin Kupny, der Zeitschrift Focus. Was geschehe, wenn das morsche Dach der Reaktorruine einbreche, hänge von den Windbedingungen ab.

Dass dann erneut Radioaktivität in den Westen gelangen könnte, wollte Kupny nicht ausschließen. Er halte es aber für "unwahrscheinlich". Der so genannte Sarkophag aus Beton und Stahl, der unmittelbar nach dem GAU am 26. April 1986 um den explodierten vierten Reaktorblock errichtet wurde, ist laut Kupny so löchrig, dass täglich Radioaktivität austritt. Was sich im Inneren des Reaktors abspiele, sei der Reaktorleitung unbekannt.

Bereits mehrere Pannen im AKW
Kupni war Mitte März nach Angaben eines Kraftwerkssprechers wegen einer "offenkundigen Verletzung seiner Funktion" gekündigt worden. Wahrscheinlich wegen seiner Äußerungen zu Focus. Bereits 1986 hatte Kupny die Leitung eines Atomkraftwerks abgeben müssen, nachdem er die extrem hohen Strahlenwerte nach der Tschernobyl-Katastrophe öffentlich gemacht hatte, während die sowjetischen Behörden noch von einem "Unfall" sprachen.

Kiew: Beseitigung der Spätfolgen Aufgabe der ganzen Welt
Die ukrainische Regierung betrachtet alle Fragen im Zusammenhang mit der Stilllegung des Atomkraftwerkes Tschernobyl, das am 26. April 1986 Schauplatz einer nuklearen Katastrophe war, als Anliegen gemeinsamer Bemühungen der Ukraine und der Weltgemeinschaft. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Aussendung der ukrainischen Botschaft in Wien hervor. Darin werden außer der eigentlichen Stilllegung des AKW die Errichtung des "Sarkophages" über dem durch den Atomunfall von 1986 zerstörten Reaktor, sowie die Gewährleistung der sozialen Fürsorge des Personals des AKW Tschernobyl als anstehende Aufgaben genannt.

Weiters wurde auf die vor fünf Jahren erfolgte Gründung des Internationalen Tschernobyl-Zentrums für Probleme der nuklearen Sicherheit, radioaktiven Abfälle und Radioökologie (ITZ) verwiesen. Die Regierung in Kiew werde weiterhin die Schaffung optimaler Bedingungen für die Tätigkeit des Zentrums, darunter durch Bereitstellung neuester wissenschaftlicher Geräte und durch günstige Steuersätze schaffen.

Das in der Stadt Slawutytsch angesiedelte Institut soll für weitere internationale Projekte im Zusmamenhang mit der Lösung der Probleme als Folge der Tschernobyl-Katastrophe ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang dankte die ukrainische Regierung der Aussendung zufolge allen an der Schaffung und an der Arbeit des ITZ beteiligten Ländern und Partnern und ersuchte im weitere vermehrte Aufmerksamkeit, Zusammenarbeit und Unterstützung seitens der internationalen Gemeinschaft für die ITZ-Tätigkeit. Die Gewährleistung seiner Mission diene dem Wohl der ganzen Weltgemeinschaft, wurde in der Botschaftsaussendung abschließend betont.

13.4.2001 11:03