Donnerstag, 12. April 2001

Rückkehr in die Gefängniszelle "in eine oder zwei Tagen"

Der wegen Korruption und Amtsmissbrauchs inhaftierte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist mit "akuten Herzproblemen" in das Belgrader Militärkrankenhaus eingeliefert worden. Die Ärzte haben jedoch bei ihm keine Herzkrankheit festgestellt.

Der 59-Jährige mit Genehmigung des Ermittlungsrichters in die Klinik gebracht worden, nachdem Krankenhausärzte "akute Herzprobleme" bei ihm festgestellt hätten, teilte die Belgrader Staatsanwaltschaft mit. Der serbische Justizminister Vladan Batic bezeichnete seinen Gesundheitszustand als "absolut befriedigend", die Untersuchungsergebnisse würden dem zuständigen Ermittlungsrichter übermittelt.

Ein zehnköpfiges Ärzteteam habe keine Herzkrankheit bei Milosevic festgestellt, erklärte Justizminister Batic in Belgrad. "In ein oder zwei Tagen" werde er in seine Zelle im Belgrader Zentralgefängnis zurückkehren können. Der Nachrichtenagentur Tanjug zufolge klagte der an Bluthochdruck leidende Milosevic über Unwohlsein. Daraufhin hätten die Gefängnisärzte entschieden, ihn umgehend in die Klinik zu verlegen. Nach Angaben eines Mitarbeiters von Milosevics Anwalt Toma Fila wurde der Ex-Staatschef am Donnerstag im Militärkrankenhaus weiteren Untersuchungen unterzogen. Er werde permanent von Ärzten des Militärkrankenhauses und der Herzklinik von Dedinje überwacht. Genauere Angaben über seinen Gesundheitszustand werde es voraussichtlich am Freitag geben.

Zuvor hatte es widersprüchliche Angaben über Milosevics Gesundheitszustand und seinen Aufenthaltsort gegeben. Ein Mitarbeiter der Belgrader Haftanstalt sagte, der frühere Staatschef sei nach einem leichten Herzinfarkt in der Krankenabteilung des Belgrader Gefängnisses behandelt worden. Die Nachrichtenagentur Tanjug hatte dagegen gemeldet, Milosevic sei wegen Herzproblemen ins Krankenhaus gebracht worden.

Milosevics Sozialistische Partei (SPS) äußerte Sorge um den Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten und forderte seine sofortige Freilassung. Die "unerträglichen" Haftbedingungen gefährdeten seine Gesundheit, erklärte die SPS.

Milosevic war am 1. April in seiner Residenz festgenommen und danach in Untersuchungshaft genommen worden. Im Gefängnis wurde dem Ex-Präsidenten eine fensterlose Zelle zugewiesen. Milosevic wird Amtsmissbrauch und Korruption vorgeworfen. Die Regierung in Belgrad will ihm im eigenen Land den Prozess machen. Eine Auslieferung an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat die Regierung abgelehnt. Das Haager Tribunal der Vereinten Nationen (UNO) hat den Behörden in Belgrad allerdings einen Haftbefehl ausgehändigt und hofft auf eine Auslieferung noch in diesem Jahr. Milosevic werden schwere Menschenrechtsverstöße im Kosovo-Krieg 1999 vorgeworfen. Der Ex-Präsident beteuert jedoch seine Unschuld.

12.4.2001 19:01