Mittwoch, 11. April 2001

Ausschreitungen werden Flüchtlingsrückkehr behindern

Die Ausschreitungen in Mostar am vergangenen Freitag hätten "zu der größten Krise in Bosnien-Herzegowina seit dem Ende des Krieges" vor über fünf Jahren geführt. Dies sagte Botschafter Colin Munro, Stellvertreter des Bosnien-Repräsentanten Wolfgang Petritsch.

Die internationale Sicherheitstruppe SFOR habe ihre Präsenz mit Panzerfahrzeugen verstärkt und die Sicherheitslage sei unter Kontrolle. Der zivile und politische Wiederaufbau des Landes, wie die Flüchtlingsrückführung, werde jedoch stark beeinträchtigt werden, erklärte Munro. Bosnisch-kroatische Extremisten hatten mit Ausschreitungen auf eine groß angelegte Razzia in Filialen der kroatischen Hercegovacka-Bank reagiert.

21 Soldaten der Friedenstruppe SFOR und ein Dutzend Vertreter internationaler Organisationen waren vergangenen Freitag verletzt worden. "Die Lage in Mostar ist nach wie vor gespannt", sagte Munro. "Mitarbeiter von internationalen Organisationen in Mostar haben Morddrohungen erhalten." Alle internationalen Mitarbeiter im von Kroaten bewohnten westlichen Teil von Mostar seien evakuiert worden. Die am Freitag festgenommen Geiseln seien erst wieder freigelassen worden, nachdem die Unterlagen der Banken wieder zurück gegeben worden seien. Wann die stellvertretende Verwaltung der Bank die Dokumente freigeben werde, sei offen, so der Stellvertreter Petritschs.

Munro hatte den Eindruck, dass die kroatische Bevölkerung, die unter dem Einfluss der kroatischen Nationalisten und der katholischen Kirche stehe, die Intervention der internationalen Gemeinschaft bedaure. Die bosnischen Moslems, die vor allem im Ostteil der Stadt leben, würden die Aktion gegen "Mafia-Organisationen" begrüßen. Diese unterschiedliche Position habe die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen in der vom Krieg gezeichneten Stadt wieder erhöht, erklärte der Botschafter.

Die Herzegovacka Banka wird verdächtigt, bosnisch-kroatischen Extremisten mit illegalen Finanztransaktionen den Aufbau eines illegalen Staatswesens geholfen zu haben. Aus diesem Grund hatte der internationale Bosnien-Beauftragte Petritsch die Einsetzung eines unabhängigen Verwalters in der Bank verfügt. Wie aus informierten Kreisen verlautete, sei am vergangenen Freitag beobachtet worden, dass sich der Chef der sezessionistischen bosnischen Kroaten, weiters der Direktor der Aluminiumfabrik von Mostar, Mijo Brajkovic, und der nationalistische ehemalige HVO-General Sopta Stonko in einem Cafe gegenüber der Bank trafen. Dies wurde als Indiz für eine koordinierte Aktion, die hinter den Übergriffen stehe, gewertet.

Die kroatischen Extremisten hatten im März eine eigene Regierung ausgerufen. Sie protestieren damit gegen eine angebliche Benachteiligung ihrer Volksgruppe in der gemeinsamen Föderation mit den Bosniaken (Bosniakisch-Kroatische Föderation).

11.4.2001 13:30