Schwere Vorwürfe gegen Direktor und Gründer

Der Streit um den privaten russischen TV-Sender NTW spaltet nun auch die Journalisten des Landes. In einem offenen Brief erhob der frühere NTW-Direktor Oleg Dobrodejew schwere Vorwürfe gegen die jüngst entlassene Sendeleitung.
Dem vom neuen Eigentümer Gazprom entlassenen NTW-Direktor Jewgeni Kisseljow warf er vor, Hysterie unter den Journalisten zu schüren und das Gebot der Objektivität zu missachten.
Dobrodejew hatte im vergangenen Jahr den Sender verlassen und arbeitet nun beim staatlichen Rundfunk. Er beschuldigte Kisseljow und NTW-Gründer Wladimir Gussinski, Informationen als politische Waffen zu nutzen und das gesamte NTW-Team ihren persönlichen und finanziellen Interessen zu opfern. Gussinski werfen die russischen Behörden Unterschlagung von umgerechnet rund (255.646 Euro/3,52 Mill. S) vor. Der Eigentümer von Media-Most steht derzeit in Spanien unter Hausarrest und wartet auf seine Auslieferung nach Moskau.
Putin ordnete unterdessen in einer Kabinettssitzung an, die Transparenz des NTW-Mehrheitseigentümers Gazprom zu erhöhen. Kritiker hatten mangelnde Durchsichtigkeit des in viele Tochtergesellschaften unterteilten Konzerns bemängelt. Der Vorsitzende des Gazprom-Aufsichtsrates, Dmitri Medwedew, kündigte laut NTW die Einsetzung einer Arbeitsgruppe an, die Schritte zu mehr Transparenz erarbeiten soll. Änderungen werden unter anderem bei der Aktienvergabe gefordert.
Putin hat sich noch nicht öffentlich zum Streit um NTW geäußert. Er unterstützt aber laut Informationen des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow - er fungiert nun als Vorsitzender des NTW-Beitrates - die Forderungen der NTW-Belegschaft. Diese wehrt sich gegen die bereits beschlossene Übernahme durch den staatlich kontrollierten Energiekonzern und verlangt eine Entscheidung vor Gericht. Gazprom hatte in der vergangenen Woche auf einer umstrittenen Aktionärsversammlung NTW-Direktor Kisseljow entlassen und durch den Investmentbanker Boris Jordan ersetzt.
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