Montag, 9. April 2001

Washington weist Kritik neuerlich zurück

China unterstützt die EU und geht weiter auf Distanz zu den USA: Nach der Absage der USA an das Klimaschutzprotokoll von Kyoto hat die Volksrepublik China der Europäischen Union Hilfe bei der Umsetzung des Abkommens zugesichert.

Der schwedische Umweltminister Kjell Larsson sagte nach einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Xie Zenhua und Vizeaußenminister Wang Guangya am Montag in Peking vor Journalisten, es gebe keine Alternative zum Kyoto-Protokoll. Die EU werde auch ohne die USA an dem Abkommen festhalten. Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass es doch noch gelingen werde, die USA zum Umdenken zu bewegen.

US-Präsident George W. Bush hatte Ende März das Kyoto-Protokoll unter Verweis auf den Vorrang der wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten abgelehnt. Die USA sind für 40 Prozent des Ausstoßes von Treibhausgasen aller Industriestaaten verantwortlich. Das Kyoto-Abkommen aus dem Jahr 1997 fordert von den Industrieländern, ihre Treibhausgas-Emissionen zwischen 2008 und 2012 im Schnitt um 5,2 Prozent zu senken.

China macht in der Energiepolitik Fortschritte
"Wir hatten sehr gute Gespräche in China", sagte Larsson, der als Vertreter der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft in die chinesische Hauptstadt gereist war. Als besonders ermutigend wertete er die Tatsache, dass die Nutzung von Kohle in China in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent zurückgegangen sei. Zugleich sei die Effizienz der Energienutzung um 50 Prozent gesteigert worden.

Die EU wolle die Unterstützung von so vielen Staaten wie möglich gewinnen, um damit den Druck auf Washington zu erhöhen, sagte Larsson. China war nach Russland und dem Iran die dritte Station der EU-Troika-Delegation, die am Dienstag in Japan erwartet wird. Die Umweltminister Japans, Chinas und Südkoreas hatten am Sonntag an die Vereinigten Staaten appelliert, nicht aus dem Kyoto-Protokoll auszusteigen. Japan gehörte bisher zusammen mit den USA, Kanada, Australien und Neuseeland zu den Kritikern des Kyoto-Protokolls.

USA: "Wir sorgen uns um die globale Erwärmung."
US-Vizepräsident Richard Cheney hatte am Sonntag die Energiepolitik Washingtons gegen die Kritik der internationalen Gemeinschaft verteidigt. "Wir sorgen uns um die globale Erwärmung", sagte Cheney dem US-Fernsehsender NBC. Das Protokoll von Kyoto trete erst in Kraft, wenn es von 55 Ländern ratifiziert worden sei. Bisher habe jedoch erst Rumänien diesen Schritt vollzogen. "Kyoto war also schon tot", sagte Cheney. Die US-Regierung prüfe alle Fakten und Forschungsergebnisse und wolle ein "gutes, solides und aggressives Programm zum Umgang mit Treibhausgasen entwickeln".

9.4.2001 12:38