Montag, 9. April 2001

Angaben über bis zu 12.000 Verhaftete

Bereits vor 30 Jahren hat Wolfgang Neugebauer, der Chef des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW), bei der Wiener Polizei und über das Innenministerium die Wiener Gestapo-Kartei gesucht. Nun ist er fündig geworden.

Damals, vor 30 Jahren, hätten die Behörden die Existenz dieser Dokumente aus der NS-Zeit bestritten, so Neugebauer (Bild). Nun sind die Akten im Wiener Stadt- und Landesarchiv aufgetaucht und werden derzeit im DÖW erfasst und auf EDV gesichert.

Die Kartei enthält nach Angaben Neugebauers genaue Personenbeschreibungen und Erkennungsdienst-Fotos von möglicherweise bis zu 12.000 Menschen, die der Gestapo Wien in die Hände gefallen sind. Sie dokumentieren die Dimension des Gestapo-Terrors und enthalten auch exakte Angaben über die Verfolgungsgründe wie "staatsfeindliche Betätigung", verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen, Homosexualität und Arbeitsvertragsbruch, der besonders NS-Zwangsarbeitern oft zum Verhängnis wurde.

Darunter seien auch Karteikarten von erst 14-jährigen Verhafteten, denen staatsfeindliche Betätigung vorgeworfen wurde. Aber auch Registrierungskarten von später prominent gewordenen Gestapo-Häftlingen, wie jene des späteren Justizministers Christian Broda (SPÖ) seien entdeckt worden. Broda war 1943 wegen "Verdachts kommunistischer Betätigung" verhaftet worden, nachdem die Gestapo einem Widerstandskämpfer Brodas Namen herausgepresst hatte.

Laut Peter Csendes vom Wiener Stadt- und Landesarchiv wurden die Dokumente von der Polizeidirektion Wien 1975 dem Archiv übergeben und dort seither im Depot "verwahrt".

9.4.2001 09:41