Streicheln verboten! Füttern verboten!

Zwar kann der Mensch sich mit der gefürchteten Maul und Klauenseuche nicht anstecken, übertragen kann er sie jedoch sehr wohl. Ein Grund, warum der Osterurlaub auf dem Bauernhof heuer recht langweilig werden kann.
"Den Gästen kann ja gar nix passieren", sagt der deutsche Bauer Kurt Wiegel. "Aber sie können für uns eine Gefahr sein, weil sie sich als Seuchenüberträger betätigen könnten". Wiegel bietet fünf Doppelzimmer und zwei Ferienwohnungen für Feriengäste auf seinem Hof im hessischen Lauterbach an, etwa 70 Kilometer vom jüngsten MKS-Verdachtsfall entfernt.
Und, fügt er besorgt hinzu, "nur zehn Kilometer von der Anlage, wo diese Tiere entsorgt werden". Zu Ostern beginnt die Saison für die Ferien auf dem Lande, und wenn es schlecht ausgeht, hat dann auch die Maul- und Klauenseuche gerade Saison in Deutschland.
Absagen von Gästen gab es bisher kaum bei den bundesweit 20.000 Bauernhöfen, die Fremdenzimmer haben. Bei Anton Blöth von der "Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof" steht in diesen Tagen allerdings das Telefon nicht mehr still. "Es gibt ein dramatisches Informationsbedürfnis", sagt Blöth. Die Leute wollen wissen, ob sie sich auf den Urlaubshöfen frei bewegen dürften und manchmal auch, ob sie selbst die Maul- und Klauenseuche bekommen könnten. Er appelliert an die Gäste, Verständnis aufzubringen für die Vorsichtsmaßnahmen der Bauern.
Bauer Wiegel hat zwei Desinfektionswannen gekauft, die er vor seinen Kuhstall stellen will. "Eigentlich mehr zur eigenen Beruhigung", sagt er. Denn er glaubt nicht, dass er seine Rinder wirklich schützen kann vor dem Virus. "Wenn die Seuche sich hier ausbreitet, dann breitet sie sich aus", meint er. Ein wirklicher Schutz sei ja sowieso nicht möglich. Aber alles, was von draußen kommt, erhöhe das Risiko. Das sind nicht nur die Gäste: "Ich kann den Schwalben, den Sperlingen, den Katzen und den Mäusen auch kein Stallverbot erteilen", sagt er. "Alles, was laufen kann, kann auch den Virus einschleppen."
Guter Gastgeber vs. verantwortungsbewußter Bauer
Am Wochenende kommen die ersten Gäste. Und die müssen desinfiziert sein, wenn sie Wiegels Rindvieh sehen wollen. Zuerst wird der Bauer sie aber fragen, wo sie in der letzten Zeit gewesen sind und ob sie etwas Verdächtiges, "etwa irgendwas Englisches", mitgebracht haben. Und ob die Tiere gestreichelt oder gar gefüttert werden dürfen, das weiß Wiegel auch nicht. Er erwarte Stammgäste aus Frankfurt am Main. Und wenn die Kinder auf dem Bauernhof keine Kälbchen mehr streicheln könnten, "ist das dann noch richtiger Urlaub auf dem Bauernhof?" fragt sich Wiegel. Der Landwirt ist hin- und hergerissen: Er will gleichzeitig ein guter Gastgeber sein und ein verantwortungsvoller Bauer.
Es ist zur Zeit nicht so einfach zu vermitteln, dass das Landleben noch ein ursprüngliches Leben mit frischer Luft und glücklichen Tieren ist. "Stattdessen ist jetzt ständig von Seuchenalarm, Sperrzonen und Notschlachtungen die Rede", stellt Joachim Fiebelkorn, Geschäftsführer von "Landurlaub in Brandenburg", fest. "Die Großstädte wirken im Moment keimfrei dagegen". Das sei ein schlimmer "Imageverlust".
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