Samstag, 14. April 2001

Amis fordern Spionage-Flugzeug zurück

Vor der Notlandung ihrer Spionagemaschine auf der chinesischen Insel Hainan konnte die amerikanische Besatzung nicht alle geheimen Programme und Ausrüstungen vernichten. Das bestätigte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit den Worten, die Crew habe "einen bedeutenden Teil" zerstört.

Rumsfeld forderte die Chinesen auf, die Maschine zurückzugeben. Sie sei amerikanischer Besitz im Wert von mehr als 80 Millionen Dollar (90,4 Mill. Euro/1.244 Mill. S), unterstrich er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn des Konfliktes über die Kollision zwischen dem Spionageflugzeug und dem chinesischen Abfangjäger am 1. April.

Rumsfeld führte im Pentagon ein Video als Beweis dafür vor, dass chinesische Abfangjäger in den letzten Monaten auffallend häufig amerikanische Spionageflugzeuge belästigt und gefährdet hätten. Das Video zeigte einen Jet, der am 24. Jänner in bedrohlicher Nähe des Propellers der US-Maschine mit einer für Abfangjäger extrem niedrigen Geschwindigkeit flog. Die USA hätten bereits am 28. Dezember vergangenen Jahres formell gegen das Verhalten protestiert. "Es ist klar, dass der Pilot die Mannschaft belästigen wollte. Es war nicht das erste Mal", betonte der Minister.

Wie andere US-Politiker vor ihm bezeichnete Rumsfeld die "Aufklärungsflüge" als völlig normalen Vorgang, der mit geheimer Spionage nichts zu tun habe. Sechs Staaten führten solche Flüge in Asien durch, darunter China. Dass die Chinesen die Mannschaft elf Tage festhielten, war nach seiner Darstellung unangemessen. Er nannte drei Beispiele von Notlandungen russischer und chinesischer Flugzeuge in Alaska und Grönland, bei denen die Maschinen nach Reparatur und Auftanken weiterfliegen konnten und die Insassen gastfreundlich aufgenommen worden seien.

14.4.2001 14:30