Schwache US-Wirtschaft könnte Wachstum dämpfen

Die Abschwächung der Konjunktur ist europaweit zu spüren. Quer durch die Europäische Union bangen Regierungen und Experten um das Wirtschaftswachstum. Gründe sind die Flaute der US-Wirtschaft und in Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden auch der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS).
Die EU-Kommission wird voraussichtlich ihre Wachstumsprognose Ende April senken. Die neue Vorhersage werde zwar unter der bisherigen Rate von 3,1 Prozent liegen, jedoch nicht bis auf 2,5 Prozent heruntergehen, heißt es in Kommissionskreisen. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg (Bild), hatte kürzlich noch von knapp 3 Prozent Wachstum in den zwölf Ländern der Eurozone gesprochen.
Deutschland
Deutschland dürfte mit dem von zahlreichen Experten erwartet Wachstum um 2 Prozent eine der schwächsten Raten vorlegen. Die Bundesregierung hat ihre Prognose von mindestens 2,6 Prozent noch nicht revidiert. In Großbritannien geht Schatzkanzler Gordon Brown dem im März vorgelegten Zwischenhaushalt zufolge zwar von 2,75 Prozent Wachstum aus.
England
Die Bank von England senkte jedoch vor wenigen Tagen zum zweiten Mal in diesem Jahr den Leitzins, um 0,25 Punkte auf 5,5 Prozent. Sie begründete den Schritt offen mit der abgeschwächten globalen Konjunktur, den Einbrüchen an den Börsen und der MKS. Diese Faktoren könnten das Vertrauen der Verbraucher negativ beeinflussen, obwohl sich eine Abschwächung bisher nicht feststellen lasse.
Holland
Die niederländische Wirtschaft soll nach Erwartungen von Ende März um 3,25 Prozent wachsen. In dieser Prognose sind jedoch die Folgen der Maul- und Klauenseuche nicht berücksichtigt. Im Jahr 2000 haben die Niederlande für 24,5 Mrd. Gulden (11,12 Mrd. Euro/153 Mrd. S) Lebendvieh, Milchprodukte, Schlachtfleisch und Fleischwaren ausgeführt - 4 Prozent des Exports. Wenn MKS die Exporte verhindert, bremst dies erheblich das Wirtschaftswachstum.
Frankreich
Die französische Regierung senkte Ende März die Wachstumserwartung für 2001 auf Grund der US-Schwäche von 3,3 Prozent auf 2,9 Prozent. In Spanien, das in den vergangenen Jahren zu den EU-Ländern mit dem stärksten Wachstum zählte, deutet Wirtschaftsminister Rodrigo Rato an, dass der Zielwert von 3,6 Prozent wohl nicht erreicht werden kann. Zahlen nennt er aber nicht. Der Bankenverband geht von einem Wachstum um 3,0 Prozent aus.
Österreich
In Österreich bietet die Konjunktur-Debatte ein ähnliches Bild wie in Deutschland. Während Finanzminister Karl-Heinz Grasser weiterhin auf ein Wachstum von bis zu 3 Prozent hofft, sagen Wirtschaftsforscher nur noch ein plus von 2,2 bis 2,3 Prozent voraus.
Einige Analysten sind jedoch vor allem für das zweite Halbjahr 2001 optimistisch. Dann werde eine "prosperierende Binnennachfrage" erwartet, heißt es in einem Bericht der Bankiers Delbrück & Co. Dadurch könne sich die Konjunktur in Europa von der Entwicklung in den USA abkoppeln.
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