Meinl ist in Kaffeeindustrie und als Banker erfolgreich

Julius Meinl V., der Sproß der Händlerdynastie, spricht im Interview mit FORMAT über seinen Erfolg als Banker, seine Expansionspläne in der Kaffeeindustrie und seine Emotionen gegenüber der Familientradition.
Format: Herr Meinl, nachdem Sie Ihre letzten österreichischen Geschäfte an Spar verkauft haben, fokussieren Sie jetzt Ihre Stärken und konzentrieren sich auf Ihre Privatbank?
Meinl: Wir sind im letzten Geschäftsjahr auf 2,2 Milliarden Euro veranlagtes Vermögen gekommen. Das war ein Zuwachs von immerhin 400 Millionen Euro. Jetzt bauen wir auch personell aus. Es ist uns gelungen, einen wirklich prominenten Banker abzuwerben.
Format: Ihre Privatkunden sind vor allem
die reichen alten Industriellenfamilien wie die Wallensteins und die Rothschilds.
Meinl: Keine Frage, daß das unsere engere Zielgruppe ist. Wir können am besten mit vermögenden Familien, die institutionell denken. Wir arbeiten aber auch gern mit kleinen und mittleren Vermögen.
Format: Das Meinl-Familienvermögen liegt bei vielen Milliarden Schilling. Was ist für Sie ein kleines Vermögen?
Meinl: Die untere Schwelle liegt bei uns bei rund fünf Millionen Schilling.
Format: Was halten Sie mittlerweile von Webfirmen?
Meinl: Vom Internet profitieren am Ende des Tages die User, aber nur ganz wenige der Unternehmen, die sich dort engagieren.
Format: Worauf setzen Sie dann?
Meinl: Der Markt ist wie ein betrunkener Partner – an einem Tag high und dann wieder total depressiv. Eine der Antworten darauf heißt langfristigeres Engagement in der Private Equity. Da machen wir ziemlich viel.
Format: Ihr Rieseninvestment in Ihren letzten österreichischen Shop am Graben scheint problematisch. Sie haben einmal gesagt, aus emotionalen Gründen hängen Sie sich bestenfalls ein Bild an die Wand. Haben Sie sich am Graben verkalkuliert, oder haben Sie inzwischen Gefühle?
Meinl: Aus der Familientradition heraus wird man doch wohl auf Dinge stolz sein dürfen. Aber das Geschäft macht auch wirtschaftlich Sinn.
Format: Es gab ein Übernahmegeplänkel mit Feinkost Käfer in München.
Meinl: Wir würden tatsächlich gut zusammenpassen, aber wenn, dann übernehmen wir Käfer.
Format: Blieben noch die Filialen in Tschechien und Polen. Dort sind Sie kürzlich eine Kooperation mit der deutschen Billa-Eigentümerin Rewe eingegangen. Es heißt, das wäre der erste Schritt zum Verkauf dieser Geschäfte.
Meinl: Das haben wir nicht vor. Vor allem wäre es auch der falsche Zeitpunkt. Wir werden dort sicher in den nächsten Jahren eine Wertsteigerung verzeichnen können.
Wie das? Gerade in Tschechien wird die Konkurrenz immer härter, weil sich dort die deutschen Handelsriesen ein immer gnadenloseres Match liefern und dabei die Preise nach unten drücken.
Meinl: Es geht auch um die Bewertung
der Liegenschaften. Die sind in unserem Besitz. Sie wird sich mit der näherrückenden Ostöffnung der EU noch deutlich nach oben entwickeln.
Format: Von Ihrer früher viel breiteren Palette an Industrieprodukten sind nur noch Kaffee und Marmelade übrig. 45 Prozent gehen in die Gastronomie, wo Sie in Österreich Marktführer sind. Wieviel vertreiben Sie über die Rewe?
Meinl: Ungefähr 25 Prozent.
Format: Macht der Betrieb von Fabriken für einen Banker mit Leib und Seele wie Sie überhaupt noch Sinn?
Meinl: Sehr viel sogar. Bei Kaffee wollen wir uns sogar stark verbreitern. Wir denken auch an Übernahmen, obwohl in Österreich in dem Sektor leider nicht mehr allzuviel zu haben ist.
Format: Das steirische Unternehmen Hornig zum Beispiel ist noch in Privatbesitz. Wollen Sie es haben?
Meinl: Hornig wäre sicher interessant.
Format: Wen finden Sie sonst noch interessant?
Meinl: Zumtobel, Wedl und Praxmarer fallen sicher auch in die Kategorie, die zu uns passen könnte.
Format: Wieviel Geld haben Sie für Übernahmen im Kaffeesektor auf der hohen Kante?
Meinl: So ungefähr eine halbe Milliarde Schilling. Wir wollen uns damit auch in Norditalien verstärken, wo wir uns dank unserer historischen Wurzeln in der Monarchie gut auskennen.
Das vollständige Interview mit Julius Meinl V. finden Sie im neuen FORMAT.
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