Kursfeuerwerk in New York, Aufwärtstrend in Europa

Anleger und Händler atmen auf: Der zweithöchste Punktegewinn im Dow Jones, der dritthöchste Gewinn beim Nasdaq lässt alle hoffen. Ist die Baisse vorbei? An der Wall Street gab es gestern ein echtes Kursfeuerwerk. Standardwerte und Technologieaktien gingen nach oben. Der Aufwärts-Trend setzte sich heute auch in Europa fort.
An den europäischen Börsen konnte sich dieser Trend heute, Freitag, bis gegen 11 Uhr nur in abgeschwächtem Ausmaß fortsetzen. Die Börsen in Frankfurt, London, Stockholm und Wien lagen zu diesem Zeitpunkt sogar leicht im Minus.
Der Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten Industriewerte stieg gestern kräftig um 402,63 Punkte oder 4,23 Prozent auf 9.918,05 Punkte. Das war der zweithöchste Punktegewinn, den der Dow je verzeichnet hatte. Der Anstieg war allerdings prozentuell gemessen lange nicht so beeindruckend. Der vierprozentige Anstieg kommt in der Dow-Geschichte nur unter ferner liefen.
Der marktbreitere Standard & Poor's 500-Index (S&P 500), der die Kursentwicklung der 500 wichtigsten US-Unternehmen widerspiegelt, legte um 48,19 Zähler oder 4,37 Prozent zu. Der Index notierte mit 1.151,44 Punkten. An der New Yorker Börse wurden 1,33 Milliarden Aktien gehandelt. Es gab 2.293 Gewinner und nur 763 Verlierer. 213 Aktien blieben unverändert.
Der Index der vollelektronischen Hightech-Börse Nasdaq, der seit März letzten Jahres nicht weniger als 67 Prozent an Wert verloren hatte, schoss um 146,20 Punkte oder 8,92 Prozent in die Höhe. Er ging mit 1.785,00 Punkten aus dem Handel. Das war der dritthöchste prozentuelle Gewinn des mit Technologieaktien vollgepackten Börsenbarometers.
Drei Faktoren wirkten sich gestern positiv auf die Wall Street aus. Dell Computer rechnet damit, dass seine jüngste Quartalsgewinnprognose realisiert werden kann. Und Alcoa, der weltgrößte Aluminiumproduzent, hat trotz der schlechten Konjunktur besser verdient als erwartet. Dies ließ an der Unternehmensgewinn-Front Hoffnung aufkommen.
Die Leerverkäufer, die Aktien in der Hoffnung auf weiter fallende Kurse verkauft hatten, ohne sie zu besitzen, mussten sich angesichts der plötzlichen Hausse eindecken. Sie kauften in großem Stil Aktien. Dies trieb die Kurse an den US-Börsen ebenfalls nach oben. Schließlich glaubten viele Analysten, dass die jüngsten Kursverluste an der Wall Street überzogen waren, so dass zumindest ein temporärer Aufschwung angebracht war.
Wall-Street-Gurus stehen vor einem Rätsel
Wall-Street-Gurus rätseln aber noch immer, ob der starke Anstieg ein Ende der Baisse signalisiert oder nur eine Scheinhausse ist. Davon hatte es in diesem Jahr bereits mehrere gegeben. Die Hausse an den Aktienmärkten hat einige Investoren dazu bewogen, ihre Mittel vom Rentenmarkt abzuziehen. 30-jährige US-Staatsanleihen gaben um mehr als zwei Drittel Punkte nach. Die Rendite stieg deutlich von 5,47 Prozent auf 5,53 Prozent. Das Ausmaß der Abflüsse zeige jedoch, dass viele Anleger der Erholung der Wertpapiere keine Nachhaltigkeit zutrauen, hieß es. Der Euro fiel auf 0,8963 Dollar gegenüber 0,9011 Dollar am Vortag.
Dell Computer, Alcoa, IBM, Microsoft, der Chiphersteller Intel, der Netzwerker Cisco Systems, die Internetfirmen eBay und Yahoo, General Electric, Boeing und Citigroup wiesen alle hohe Kursgewinne auf. Das galt aber auch für die meisten anderen Standard- und Technologie-Aktien.
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