Mittwoch, 4. April 2001

Liebscher trotz geringerer Preisrisken reserviert

Klaus Liebscher, als Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) Mitglied im EZB-Rat, steht der von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) geforderten Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) reserviert gegenüber: Einige Faktoren mahnen zu Vorsicht.

Trotz ausgeglichenerer Preisrisken würden einige Faktoren dazu mahnen, dass die EZB in der Geldpolitik noch Vorsicht walten lasse, sagte der OeNB-Gouverneur bei einem Pressegespräch aus Anlass des Berichts über die jüngste alljährliche Österreich-Länderprüfung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Der EZB-Rat werde seine am Preisstabilitätsziel orientierte Geldpolitik fortsetzen, bekräftigte Liebscher, nachdem Grasser in dem Pressegespräch gemeint hatte, er könne sich der IWF-Feststellung, dass nun ein Zinssignal aus Frankfurt gut wäre, nur anschließen.

Grasser verwies zu seinem erneuten Vorstoss für eine Zinssenkung in der Euro-Zone auf die Unsicherheit in den Märkten und darauf, dass die Inflation "im Griff" sei. Die Jahres-Inflationsrate in der Euro-Zone hatte sich im Februar auf 2,6 Prozent beschleunigt, nach 2,4 Prozent im Jänner. Zuletzt hatte Finanzminister Grasser vor eineinhalb Wochen beim EU-Gipfel in Stockholm für eine Zinssenkung durch die europäischen Währungshüter plädiert.

Zu den Wachstumsaussichten für die Euro-Zone äußerte sich Liebscher am Mittwoch zuversichtlich: "Wir gehen von einer nach wie vor guten Konjunktur in den nächsten zwei Jahren aus", wenn auch etwas schlechter als in den vergangenen Jahren. Im Vergleich zu den USA werde das europäische Wachstum aber immer noch "robust" sein. Bei der weiteren weltweiten Konjunkturentwicklung werde man einige Regionen besonders zu beobachten haben, beispielsweise Japan.

4.4.2001 11:48