Donnerstag, 5. April 2001

Wegen Kirch-Einstieg in Vermarktungsgesellschaft SLEC

Die großen europäischen Automobilkonzerne planen ihre eigene Formel-1-Serie. Das gab Fiat-Vorstand Paolo Cantarella in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung der europäischen Automobilhersteller (ACEA) überraschend in Italien bekannt.

Die in der Formel-1-Weltmeisterschaft engagierten Unternehmen DaimlerChrysler (Mercedes), Ford, Renault, BMW und Fiat (Ferrari) haben laut einer Fiat-Pressemitteilung diesen Entschluss "im Einvernehmen und im besten Interesse des Automobilsports" gefasst.

Ziel sei es, "sobald wie möglich" eine neue "Meisterschaft für einsitzige Rennwagen mit offen liegenden Reifen ins Leben zu rufen". Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht. Allerdings sind die Teams noch bis Ende 2007 vertraglich an die Formel 1 gebunden.

Konkurrenzserie
Die Autokonzerne machten damit die seit Wochen kursierende Drohung war, eine Konkurrenzserie zu organisieren. Hintergrund ist die Mehrheitsübernahme an der Formel-1-Holding SLEC durch die Kirch- Gruppe über EM.TV. Die SLEC besitzt noch bis 2010 die TV-Rechte an der Formel-1-WM. "Wenn Kirch 75 Prozent der Aktienanteile bekommt, ist die Formel 1 tot", hatte das für den Grand-Prix-Einsatz von Mercedes bei DaimlerChrysler verantwortliche Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert vor einigen Wochen erklärt.

Zur jetzt angekündigten Gegenserie waren von DaimlerChrysler und BMW keine Stellungnahmen zu erhalten. "Kein Kommentar", teilte ein DaimlerChrysler-Sprecher mit. Ein BMW-Vertreter erklärte, er könne dazu nichts sagen. Renault äußerte sich ebenfalls nicht zu der angekündigten neuen Meisterschaft. Das Ferrari-Team sagte auf Anfrage: "Wir haben der Fiat-Pressemitteilung nichts hinzuzufügen." Formel-1-Boss Bernie Ecclestone war nicht zu erreichen.

Die Autofirmen ziehen damit die Konsequenzen aus dem eskalierenden Streit um die Vermarktung der Formel-1-Fernsehrechte. EM.TV, an dem Medienmogul Kirch die Mehrheit hält, hatte für umgerechnet 23,2 Milliarden Schilling zunächst 50 Prozent der "Slavica Ecclestone Corporation" (SLEC) von Ecclestone gekauft. Ende Februar nahm das Münchner Unternehmen eine Option auf weitere 25 Prozent an SLEC für 987,5 Millionen Dollar (1,093 Mrd. Euro/15,0 Mrd. S) wahr.

5.4.2001 10:09