Dienstag, 3. April 2001

"Lass mich in Ruhe!"

Tennisstar Martina Hingis hat sich vor einem Gericht in Florida gegen einen Verfolger zur Wehr gesetzt, der sie ein Jahr lang mit Liebeserklärungen belästigt hatte. Die teils nervös wirkende Schweizer Sportlerin sagte am Montag aus, der 46- jährige Dubravko Rajcevic sei ihr überall auf der Welt gefolgt.

So habe er sie während des French Open Turniers 1999 täglich im Hotel angerufen und ihr per Fax Liebeserklärungen gemacht. Außerdem habe er vier Mal ihr Haus in Zürich aufgesucht und wiederholt geklingelt. Zunächst habe sie ihre Haushälterin an die Tür geschickt, dann sei sie dem Verfolger selbst gegenübergetreten. "Ich sagte ihm, er solle mich in Ruhe lassen."

Hingis versuchte nach eigener Aussage immer wieder den in Kroatien geboren Schiffsingenieur zur Vernunft zu bringen. "Ich habe ihm erklärt, dass ich einen Freund habe, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin, und ich habe ihm sogar gesagt, dass er alt genug ist, um mein Vater zu sein", schilderte die 20-jährige Hingis. "Er wollte aber einfach nicht aufgeben."

Der vor Gericht anwesende Rajcevic schien die Aussagen seines prominenten Opfers sichtlich zu genießen. Mit einem Lächeln im Gesicht hörte er sich die Anschuldigungen an. Er sagte aus, dass er geglaubt habe, "Martina ist die Frau meines Lebens". Rajcevic brach während seiner Aussage immer wieder in wütende Anfälle aus und beschimpfte die Anklage, sich gegen ihn verschworen zu haben.

Sein Anwalt erklärte dem Fernsehsender CNN, dass sein Mandant das Recht habe, eine Frau zu lieben und dies zum Ausdruck zu bringen. Dem aus Kroatien stammenden Angeklagten war in einer früheren psychologischen Untersuchung attestiert worden, "gestört" zu sein und "unter Wahnvorstellungen" zu leiden. Im Falle einer Verurteilung droht dem in Florida festgenommenen "Stalker" zwischen einem und vier Jahre Haft.

3.4.2001 15:32