Sonntag, 8. April 2001

"Fehler, ganzes Abkommen in Papierkorb zu werfen"

Die Europäische Union (EU) hat sich dafür ausgesprochen, mit den USA Gespräche über eine Neufassung von Teilen des Kyoto-Abkommens zum Klimaschutz zu führen. Das ganze Abkommen in den Papierkorb zu werfen, sei ein Fehler, so EU-Vertreter.

"Wenn gewisse Teile des Abkommens die USA daran hindern, es zu ratifizieren, sollten wir über jene Teile verhandeln und nicht das gesamte Abkommen begraben", hieß es in einem gemeinsamen Artikel des schwedischen Ministerpräsidenten Goran Persson und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. Die USA, die das 1997 ausgehandelte Protokoll zur Verringerung des Kohlendioxid- Ausstoßes kürzlich ablehnten, bereiten einer Agenturmeldung zufolge eine Alternative vor.

EU zu Bushs Entscheidung, das Kyoto-Abkommen zu verwerfen: "Bedauerlich"
Persson und Prodi nannten die Entscheidung der US-Regierung unter George W. Bush, das Kyoto-Abkommen nicht zu ratifizieren, bedauerlich. "Das Klima ändert sich bereits. Die ärmsten Länder sind am härtesten betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels, und sie sind bei weiteren Veränderungen am verwundbarsten." Wenn infolge der Erwärmung der Erde der Meeresspiegel nur um einen halben Meter steige, würden Hunderte Millionen Menschen in den flachen Küstengebieten getroffen.

Eine EU-Delegation unter Leitung des schwedischen Umweltministers Kjell Larsson konferierte am Samstag in Teheran über den weltweiten Klimaschutz, der im Mittelpunkt des für Juli in Bonn geplanten Klimagipfels stehen wird. Schweden hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

USA wollen auch Entwicklungsländer in Klimaschutz einbinden
Der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage habe angekündigt, die US-Vorschläge zur Bekämpfung der Erderwärmung würden rechtzeitig zur internationalen Klimakonferenz in Bonn vorliegen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag. Der US-Plan werde vom Kyoto-Protokoll abweichen, da er versuche, neben den Industriestaaten auch Entwicklungsländer in den Klimaschutz einzubinden. Armitage habe den Vorschlag bei einem Treffen mit einer japanischen Delegation in Washington unterbreitet, hieß es unter Berufung auf Delegationsteilnehmer.

Die Delegation war mit dem Ziel nach Washington gereist, die US-Regierung doch noch zur Annahme des Kyoto-Abkommens zu bewegen. Präsident Bush hatte die Umsetzung mit der Begründung abgelehnt, es schade der US-Wirtschaft und binde die Entwicklungsländer nicht an strikte Schadstoffgrenzen.

8.4.2001 09:01