FORMAT: Fabel ist enttarnt - was folgt nun?

Ute Fabel, 36, Ex-Büroleiterin von Sozialminister Herbert Haupt, erfand sich einen akademischen Titel und kassierte 200.000 Schilling pro Monat. Die falsche Magistra in Diensten der blauen Politiker führte ein Doppelleben.
Ute Fabel, bis vor wenigen Tagen Büroleiterin von Sozialminister Herbert Haupt, hat der schwarz-blauen Koalition eine noch nie dagewesene Peinlichkeit beschert: Die Kabinettschefin, die für ihr Wirken satte 200.000 Schilling einstreifte (FORMAT 11/01), entpuppte sich vergangene Woche als (mutmaßliche) Hochstaplerin. Der akademische Titel, mit dem die angebliche Juristin renommierte, war die Erfindung einer gescheiterten Studentin.
Als vergangene Woche die Titelanmaßung in der „Presse“ ruchbar wurde, zog Fabel sofort die Konsequenzen und kündigte. Sozialminister Herbert Haupt hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie soll prüfen, ob sich seine ehemalige Mitarbeiterin durch das Vortäuschen eines akademischen Grades finanzielle Vorteile verschafft habe. Das Strafmaß: bis zu 200.000 Schilling – ein früheres Monatsgehalt. Sollte ein Vermögensschaden entstanden sein, könnte Fabel jedoch sogar eine Anklage wegen Betrugs drohen.
Schnelle Karriere. Der Fall Fabel zeigt wie kein anderer, wie dünn die Personaldecke der Freiheitlichen tatsächlich ist. Innerhalb von nur zwölf Monaten stieg die Obfrau einer Kärntner Kindergruppe über den Umweg Kärntner Landesregierung zu Haupts wichtigster Mitarbeiterin im Sozialressort, einem Schlüsselministerium der schwarz-blauen Reformregierung, auf. In Ziffern ausgedrückt: von 14.000 Schilling Aufwandspauschale für ihre Tätigkeit als Vorstand der finanzmaroden Kindergruppe Kid-Fit-Fun in Klagenfurt zu einer stolzen Monatsgage von rund 200.000 Schilling als Kabinettschefin in Wien.
Ein kurzer Anruf, ein kurzes Gespräch – und Fabel war im Oktober des Vorjahres schon engagiert. „Ich war gerade auf einer Dienstreise in Norwegen. Während eines Besuchs in der österreichischen Botschaft habe ich einen Anruf erhalten und wurde gefragt, ob ich für Minister Haupt arbeiten will“, erinnert sie sich. Auch beim Gehalt konnte sie ihre Vorstellungen durchsetzen: 114.000 Schilling brutto plus Bezahlung jeder Überstunde – das ergibt ein Gehalt, das über jenem des Ministers liegt. Haupt störte das nicht. Er war begeistert über die Fachkompetenz der neu engagierten Mitarbeiterin. Niemand im Ministerbüro verlangte eine Sponsionsurkunde oder überprüfte ihren Lebenslauf.
Ohnmacht an der Uni. An der Universität Graz, an der sie 1985 das Doppelstudium der Jurisprudenz und der Betriebswirtschaft inskribierte, bekam sie, wie schon in der Schule, Probleme. „Sie ist oft bei Prüfungen in Ohnmacht gefallen“, sagt eine enge Verwandte.
Nach 30 Semestern Studium wollte sich Fabel offenbar nicht mehr quälen: Sie beschloß, Magister zu werden – ohne die wesentlichen Prüfungen Bürgerliches Recht und Zivilgerichtliches Verfahren abzulegen.
Über ihre damals dreijährige Tochter kommt Fabel erstmals mit den führenden Kärntner Landespolitikern in Berührung. Sie wird Obfrau der Kindergruppe Kid-Fit-Fun und lernt ihren ersten Förderer, den damaligen Landeshauptmannstellvertreter Matthias Reichhold, kennen. Im Dezember 1999 holt sie Reichhold als B-Vertragsbedienstete in sein Büro.
Die Lebenslüge. „Begonnen hat alles mit einem Vortrag, als ich noch Referentin in der Kärntner Landesregierung war. Da hat mich einfach jemand mit Frau Magister angesprochen. Das haben andere gehört. Und so wurde ich eben zur Frau Magister“, sagt sie heute dazu.
Mittlerweile empfiehlt ihr selbst ihr ehemaliger Förderer Matthias Reichhold eine Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Fabel weist jegliche Mitschuld am finanziellen Desaster des Kindergartens zurück. Als die „Kärntner Tageszeitung“ den Fall aufdeckt, klagt sie – selbstverständlich als „Mag. Ute Fabel, Angestellte, c/o Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen“. Die Klage bringt Haider-Anwältin Huberta Gheneff ein.
Auch das Arbeitsmarktservice Kärnten will jetzt Geld
von Fabels Verein zurück. Der Grund: Die vom AMS geförderte Putzfrau und die Köchin, die eigentlich für die Kindergruppe zuständig waren, wurden gegen Entgelt auch an private Haushalte „vermietet“. Ein Einsatzort: das Penthouse von Ute Fabel.
Den vollständigen Bericht finden Sie im neuen FORMAT.
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