Donnerstag, 5. April 2001

Russischer Offizier weist Berichte als "absurd" zurück

Das gesunkene russische Atom-U-Boot "Kursk" hat entgegen bisheriger russischer Darstellung Atomwaffen an Bord gehabt. Wie norwegische Medien berichteten, bestätigte ein Mitglied der russischen Untersuchungskommission die atomare Bewaffnung der "Kursk".

Dem Parlamentsabgeordnete Grigori Tomtschin zufolge hätten auch norwegische Behörden bestätigt, dass das Boot zum Unglückszeitpunkt mit Nuklearwaffen ausgestattet gewesen sei.

Er sei die Geheimnistuerei um das Wrack leid, sagte Tomtschin. Man wisse schon lange von der Existenz der Atomwaffen an Bord der "Kursk". "Zurzeit stellt das U-Boot keine ökologische Gefahr dar", sagte Tomtschin. "Die Havarie der Kursk hätte für die Region wesentlich schlimmer ausfallen können."

Der norwegische Ingenieur Harald Ramfjord, der an den Planungen zur Bergung des Wracks beteiligt ist, sagte, er habe geheime russische Dokumente gesehen, die dies bestätigten. "In einem der Dokumente, zu denen ich Zugang hatte, stand, es seien zwei Atomraketen an Bord gewesen", sagte Ramfjord.

Der Sprecher der russischen Marine, Igor Dygalo, wies die Angaben über Atomwaffen in der "Kursk" als "absurd" zurück. Der Sprecher betonte, während Trainingsmanövern seien russische U-Boote "niemals" atomar bestückt.

Ein Sprecher des norwegischen Außenministeriums erklärte: "Wir haben diese neue Information weder bestätigt noch dementiert bekommen und müssen uns daher daran halten, was die Russen gesagt haben." Der norwegische Außenamtssprecher Karsten Klepsvik sagte weiter, eine nukleare Bewaffnung zum Zeitpunkt des Unglücks könne "nicht ausgeschlossen" werden. Die russischen Stellen hätten dies aber wiederholt auch schriftlich bestritten, so auch in einer diplomatischen Note kurz nach der Havarie. Die Regierung sei sich im Klaren darüber, dass derartige U-Boote bei Routinemissionen auch atomare Waffen mitführten, zum Zeitpunkt des Unglücks habe sich das Boot jedoch in einer Übung befunden.

Nach einer Torpedoexplosion war die "Kursk" am 12. August 2000 mit 118 Seeleuten an Bord auf den 100 Meter tiefen Grund der Barentssee gesunken. Die Unglücksumstände sind bisher nicht vollständig geklärt. Nach russischer Planung soll das Schiff noch in diesem Jahr in einer rund 70 Millionen Dollar (77,5 Mill. Euro/1,066 Mrd. S) teuren Aktion gehoben werden. U-Boote der Oscar-II-Klasse wie die "Kursk" können mit bis zu 24 Atomraketen vom Typ SS-N-19 mit einer Sprengkraft von je 500 Kilotonnen und einer Reichweite bis zu 550 Kilometern bestückt werden.

5.4.2001 11:09