Mittwoch, 4. April 2001

China fordert erneut Entschuldigung von USA

Analyse: Beziehungen USA-China stark belastet

Im Spionage-Konflikt zwischen den USA und China hat auch am Mittwoch keine Seite Bereitschaft zum Einlenken erkennen lassen. Der chinesische Präsident Jiang Zemin forderte am Mittwoch erneut eine Entschuldigung für die Kollision der US-Aufklärungsmaschine mit dem chinesischen Kampfflugzeug.

Die US-Regierung hat eine Entschuldigung ausgeschlossen und die sofortige Freilassung der in China 24-köpfigen Besatzung gefordert. Davon hänge auch die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Ländern ab, sagte US-Präsident George W. Bush.

Die USA müssten die volle Verantwortung und alle Konsequenzen des Luftzwischenfalls tragen, sagte Jiang in Peking vor seiner Abreise zu einem Staatsbesuch in Südamerika. Am Vortag hatte er sich ähnlich geäußert und die USA aufgefordert, ihre Aufklärungsflüge entlang der chinesischen Küste einzustellen. Nach der Kollision am Sonntag über dem Südchinesischen Meer war der Funkauflärer der Marine vom Typ EP-3 auf der chinesischen Insel Hainan notgelandet, wo sie sich noch immer befindet. Auch die 24 Besatzungsmitglieder werden dort festgehalten. China wirft den USA vor, in den chinesischen Luftraum eingedrungen sein. Die USA weisen dies zurück.

Die USA hätten nichts getan, was eine Entschuldigung rechtfertige, sagte US-Außenminister Colin Powell. Bei der Kollision habe es sich um einen Unfall gehandelt. Bush sagte, der Zwischenfall berge das Potenzial, die Hoffnungen auf fruchtbare und produktive Beziehungen zu China zu untergraben. US-Diplomaten drängten am Mittwoch auf ein zweites Treffen mit der Flugzeug-Besatzung. Sie hatten am Dienstag erstmals mit den Besatzungsmitgliedern gesprochen und sich von deren gute Verfassung überzeugt. Bisher seien von chinesischer Seite jedoch keine weitere Treffen geplant, teilte ein US-Diplomat mit. Das Flugzeug sei stärker beschädigt als ursprünglich angenommen.

In Asien wächst die Besorgnis
Angesichts der wegen des Luftzwischenfalls zunehmenden Spannungen zwischen China und den USA wächst in Asien die Sorge vor negativen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen für die gesamte Region. "Wir wollen keinerlei Eskalation sehen", sagte der japanische Regierungssprecher Kazuhiko Koshikawa am Mittwoch in Tokio. "Wir hoffen sehr, dass diese Angelegenheit auf angemessene und akzeptable Art und Weise beigelegt wird." Die Tanker, die Japan mit dem lebenswichtigen Öl aus dem Nahen Osten versorgen, benutzen eine Route durch das Südchinesische Meer. Dort fand am Sonntag die Kollision statt.

Rückschläge aus einer Verschlechterung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses werden besonders für die gerade in Gang gekommenen Beziehungen der koreanischen Staaten befürchtet. "In diesem Falle wäre es schon sehr schwer, auch nur den entscheidenden Kommunikationskanal für Friedensgespräche herzustellen", sagte ein Forscher des Seouler Instituts für Außenpolitik und nationale Sicherheit, Kim Sung Han. Die Bangkoker Zeitung "The Nation" befürchtete in einem Leitartikel, dass bei einer längeren Auseinandersetzung amerikanische Verbündete in Asien in den Konflikt hineingezogen werden könnten.

Für weitere Verstimmung in den Beziehungen China-USA dürfte der Fall einer US-Wissenschaftlerin chinesischer Herkunft sorgen, die Anfang Februar in China festgenommen worden war. Aus US-Diplomatenkreisen in Peking verlautete, dass nun ein Haftbefehl gegen Gao Zhan ausgestellt worden sei. Ihr werde Spionage zur Last gelegt. Die Organisation "Menschenrechte in China" erklärte, es bestehe ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Haftbefehl und dem Streit mit den USA. China habe in der Vergangenheit immer wieder Häftlinge als Druckmittel verwendet.

4.4.2001 13:47