Freitag, 30. März 2001

Mord nach der Talk-Show

Das Publikum der "Springer"-Talk-Show johlte, als Nancy Campbell-Panitz klargemacht wurde, dass ihr frisch geschiedener Mann sie nicht mehr haben wolle. Wenige Stunden nach der Sendung wurde sie tot aufgefunden. Ihr Ex-Mann, ein Deutscher, ist nun des Mordes angeklagt.

Das Verfahren gegen den in den USA lebenden Deutschen Ralf Panitz werde am 8. Mai vor einem Gericht in Sarasota (US-Staat Florida) beginnen, berichtet die Lokalzeitung
"Sarasota Herald Tribune News Coast". Die Staatsanwaltschaft will mit blutigen Schuhabdrücken in der Nähe der Leiche die Schuld des 41-Jährigen beweisen. Die Ankläger wollten nach eigenen Angaben auf die Todesstrafe verzichten. Sollte Panitz schuldig gesprochen werden, würde er eine lebenslange Haftstrafe erhalten.

Panitz wird vorgeworfen, er habe im Juli vergangenen Jahres seine 52-jährige Ex-Frau Nancy Campbell-Panitz gewürgt und zu Tode geschlagen. Er war mit ihr und seiner neuen Frau, der 45-jährigen Eleanor Panitz, im Juli in der "Springer Show" aufgetreten. Der Gastgeber der Show, Jerry Springer, stellte das Trio unter dem Titel "Konfrontation der geheimen Geliebten" vor. Wenige Stunden nach der Ausstrahlung der Sendung wurde die Leiche der Ex-Frau in einem Haus gefunden, in dem die drei eine Zeit lang gemeinsam gelebt hatten.

Während der Aufzeichnung der Sendung hatte die 52-jährige Nancy erfahren, dass ihr früherer Mann nur einen Monat nach der Scheidung im Februar 2000 wieder geheiratet hatte. Als Gastgeber Jerry Springer der düpierten Frau vor johlendem Publikum und laufenden TV-Kameras auch noch klarmachte, dass ihr Ex-Mann sie "nicht mehr haben" wolle, weil sie "fett und alt" sei, stürmte Campbell-Panitz von der Bühne.

Ausfälle, Gewalt, Gotteslästerung
In der Show erfuhr sie außerdem, dass Panitz mit ihr am Vortag der Aufzeichnung nur mit ihr geschlafen habe, um ihren Auftritt sicherzustellen. Sie aber hatte gehofft, sich vor laufender Kamera mit ihrem Ex-Mann zu versöhnen. Reines Wunschdenken. Für Versöhnungen ist die "Springer"-Show nicht angelegt. Denn die berühmt berüchtigte Sendung versucht, mit verbalen Ausfällen, Gewalt und Gotteslästerung die Quote hochzutreiben.

Bevor er begann, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, verkaufte sich Moderator Jerry Springer als liberaler Politiker der Demokraten. Springer wollte Gouverneur von Ohio werden. Ein Skandal stoppte ihn: 1974 hatte er in einem Bordell in Kentucky mit einem Scheck bezahlt, den die Polizei bei einer Razzia sicherstellte. Er verlor die Wahl und beschloss Moderator zu werden.

30.3.2001 08:43

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