Mittwoch, 28. März 2001

Haider stellt in NEWS seine neue Liebe vor: einen Mann

Vor vier Jahren schockierte sein Outing die hiesige Schwiegermütterschaft. Jetzt stellt der Kabarettist via NEWS seine neue Liebe vor. Und bekommt auch Rückenstärkung von Alexander Van der Bellen: „Es sollte normal sein, dass Schwulsein kein Thema ist. Auch ich hatte in meiner Jugend homoerotische Erfahrungen. Was ist schon dabei?“

Christoph Koch, 21, Model bei „Vanity Fair“ und Eventmanager beim Nobel-Caterer Do & Co ist seit zwei Jahren der Lebensgefährte von Alfons Haider, 43. Haider hat ein schmerzhaftes, auch an die Grenzen der beruflichen Schädigung reichendes Outing hinter sich. Jetzt denkt er nicht mehr daran, zu verbergen, was zum Essenziellen seines Lebens zählt.

Zum immer noch mutigen Schritt hatte auch Mutter Anna geraten. Haider: „Meine Mutter war zuerst konsequent dagegen, meine Liebe in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dann aber kam sie zu dem Schluss, es ist das Normalste auf der ganzen Welt.“ Und es gehe ja auch um mehr als private Befindlichkeiten: selbstverständlicher Umgang mit homosexuellen Beziehungen führt zur Normalisierung nach endloser Zeit der Ächtung.

Vor vier Jahren entschloss sich der damalige ORF-Moderator unter dem Eindruck eines hasserfüllten Drohbriefs spontan zum Outing. Unter Österreichs Schwiegermüttern herrschte Schreckensstarre, die Vertreter der Schwulenszene zeigten Solidarität. Haider würde bis heute „ein Outing niemandem anraten“. Koch aber wagte trotzdem den Schritt in die Öffentlichkeit: „Ich möchte mit der NEWS-Geschichte dummen Spekulationen aus dem Weg gehen, aufräumen. Wenn wir zu unserer Beziehung öffentlich stehen, interessiert es sowieso bald niemanden mehr.“

Wie alles begann
Der Beginn, so referieren beide, sei hindernisreich bis hoffnungslos verlaufen. Haider: „Wir waren einander extrem unsympathisch. Der Christoph hat gedacht, mein Gott, der Mr. Wurlitzer.“ Kurz danach traf man einander zufällig wieder. Und bei diesem Zusammentreffen begann, was beide „die größte Liebe unseres Lebens“ nennen. Zusammensein ist jetzt angesagt, so oft es nur irgendwie geht: „Ich nehm den Christoph überall hin mit. Er ist mein Glücksbringer und Entspanner.“

Nur zur Familienzusammenführung kam es noch nicht. Koch: „Ich habe zu Alfons’ Mutter zwar nicht die innigste, aber eine funktionierende Beziehung.“ Und Haider: „Eine Elternbeziehung muss langsam wachsen. Man kann nicht gleich dort einziehen und sagen: Hallo Papa, hallo Mama.“
Das aber sind Probleme, die es in jeder Beziehung gibt. Hoch an der Zeit, dass alle das begreifen.

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen NEWS. Plus: Das Interview mit Alexander Van der Bellen.

28.3.2001 15:40

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